Klage wegen Diskriminierung: Lufthansa-Piloten müssen auf Flughäfen ihre Mütze nicht zwingend ...
Bundesarbeitsgericht kippt Kappenpflicht

Der klagende Lufthansa-Pilot (links) mit seinem Rechtsanwalt Andreas Ziehm im Sitzungssaal des Bundesarbeitsgerichts. Bild: dpa
Das Bundesarbeitsgericht hat die Mützenpflicht für Piloten der Lufthansa gekippt. Ein Flugzeugführer, der sich von der nur für Männer geltenden Vorschrift diskriminiert fühlt, bekam von den höchsten deutschen Arbeitsrichtern am Dienstag Recht. Der Mann hatte geklagt, weil die Mütze für Pilotinnen als reines Accessoire gilt: Sie können die Mütze in der Öffentlichkeit tragen, müssen aber nicht. Für Piloten gehöre sie dagegen zwingend zur Uniform.

Sechs Prozent Frauen

Die Bundesrichter sahen keine ausreichenden Gründe für eine Ungleichbehandlung von Männern und Frauen beim Tragen der Schirmmütze mit dem Lufthansa-Emblem. Sie verwiesen auf den Gleichbehandlungsgrundsatz im Betriebsverfassungsrecht. Die Lufthansa hat nach Unternehmensangaben rund 5400 Piloten. Der Frauenanteil liege bei derzeit etwa sechs Prozent.

Verweis auf Damenfrisuren

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) bestätigte mit seiner Entscheidung ein Urteil des Arbeitsgerichts Köln. Das Landesarbeitsgericht Köln hatte dagegen der Lufthansa recht gegeben. Der aus Nordrhein-Westfalen stammende Pilot, der in München stationiert ist, machte Diskriminierung wegen seines Geschlechts geltend. Er arbeitet seit 2006 als Flugzeugführer für die Airline. Der Mann war wegen fehlender Pilotenmütze 2009 von einem Flug abgezogen worden.

Die BAG-Präsidentin Ingrid Schmidt sagte, "für eine personenbezogene Ungleichbehandlung muss es fundierte Sachgründe geben". Der Anwalt der Lufthansa verwies auf die Tradition bei Pilotenuniformen, zu der in der Außendarstellung die Kopfbedeckung gehöre, sowie auf die Besonderheiten von Damenfrisuren. Nicht nur Frauen mit Langhaarfrisur, sondern auch Männer mit Gel im Haar könnte das Aufsetzen der Mütze Probleme bereiten, erwiderte die Gerichtspräsidentin.

Der Anwalt des Klägers machte deutlich, das nicht jede Ungleichbehandlung der Geschlechter eine Benachteiligung sein. "Bei der Pilotenmütze geht es aber um ein Kleidungsstück, das Männer und Frauen gleichermaßen tragen können."
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