Klare Ansage: Letztes Angebot an Athen

Kleiner Scherz am Rande: Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras (links) und seine Kollegen aus Italien, Matteo Renzi, und Deutschland, Angela Merkel. Bild: dpa

Es gibt keinen Spielraum mehr - diese Warnung richtet der EU-Gipfel an Griechenland. Zwei Stunden lang knöpften sich die Staats- und Regierungschefs den griechischen Premier Tsipras vor. Die Nervosität steigt. Und die Zeit läuft ab.

Der EU-Gipfel hat den Druck auf Tsipras im Streit um neue Milliardenhilfen massiv erhöht. Die Länderchefs hätten klargemacht, dass Athen in den Verhandlungen zur Abwendung einer Staatspleite "absolut keinen Spielraum" mehr habe, berichteten Diplomaten am Donnerstag beim EU-Gipfel in Brüssel. Die Runde habe von Tsipras verlangt, das neue Angebot der Geldgeber für ein Reform- und Sparpaket zu akzeptieren. Sonst müsse über den "Plan B" gesprochen werden - damit wird üblicherweise eine Pleite oder ein Euro-Austritt Griechenlands ("Grexit") umschrieben.

Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem sagte: "Die Tür ist immer noch offen für die griechische Regierung, die Vorschläge anzunehmen, die die Geldgeber auf den Tisch gelegt haben." Es gebe bei einer Reihe von Themen immer noch große Meinungsverschiedenheiten. Umstritten bleiben demnach Rentenkürzungen und Steuerreformen. Eine Abmachung über das Paket ist Voraussetzung für die Auszahlung von Hilfen von 7,2 Milliarden Euro.

Vorerst ist nach Angaben von EU-Diplomaten kein weiterer Gipfel der Staats- und Regierungschefs geplant. Stattdessen wollen die 19 Euro-Finanzminister am Samstag erneut verhandeln. Die Rettung Griechenlands wird für die Euro-Partner zum Wettlauf mit der Zeit. Am Dienstag läuft das aktuelle Hilfsprogramm für Griechenland aus. Dann muss das Land auch rund 1,6 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen, die es nicht hat. Der bekräftigte, Griechenland bekomme keinen Aufschub.

Bereits bei einem Krisentreffen der Finanzminister unmittelbar vor Gipfelbeginn waren die Fronten laut Diplomaten verhärtet. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) machte Athen verantwortlich. Die griechische Regierung habe sich "eher rückwärts bewegt", sagte er. "Die Entscheidung liegt ausschließlich bei den Verantwortlichen in Griechenland."
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