Klarer Fall von Ämterhäufung

Überraschung gelungen: Die Rettungskräfte entführten Bürgermeister Anton Kappl zum Feuerwehrhaus in Lerau, um ihm einen Schirm zu überreichen. Zweiter Vorsitzender Peter Schwabl macht den Rathauschef dann zum Ehrenschirmherrn für die 125-Jahr-Feier. Bild: fz

Die Feuerwehr Lerau ging bei der Suche nach einem Ehrenschirmherrn für die 125-Jahr-Feier vom 27. bis 29. Mai 2016 nicht Türklinken putzen. Kommandant Helmut Kellner kidnappte einfach Bürgermeister Anton Kappl, den zweiter Vorsitzender Peter Schwabl dann zum Ehrenschirmherrn ernannte.

Mit dem Schirmherrn wollen die Rettungskräfte das aber nicht so machen. Diese Suche wird leichter, da Landrat Andreas Meier in dieser Funktion für alle seinen Feuerwehren im Landkreis eine Zusage gegeben hat. Da braucht man ihm nur den Termin mitzuteilen.

Klärwärter greift zur List

Hätte man aber Kappl - Vereinswirt, Vorsitzender und Bürgermeister in einer Person - die Ehrenschirmherrschaft angetragen, so hätte sich der vielleicht wegen seiner Ämter bei "seiner Feuerwehr" herausreden können. Also fuhr Kommandant Kellner, zugleich Klärwärter der Marktgemeinde, zu seinem Chef. Er teilte mit, dass es ein Problem bei der Abwasserentsorgung gebe, und nahm den Rathauschef mit. Der Weg führte zum Feuerwehrhaus in Lerau und Kellner bog kurzentschlossen ein, wo schon die gesamte Wehr wartete.

Kappl lachte nur noch und schüttelte den Kopf, als ihm Schwabl in Gedichtform die Ehrenschirmherrschaft antrug: "Schlimm is, mit dir an Termin zu finden, dei Zeit reicht nird vorn und hintn. Deshalb homas ohne Anmeldung g'macht und di zu unserm neier Feierwehrhaus herbracht. Ein Ehrenschirmherr zu unserem Jubiläum, der fehlt uns nu, da is uns oiner eigfalln und des bist du. Des Utensil für deine Macht, des hom mir dir scho mitbracht. Du kannst es gleich in Händen halten. Wir hoffen, du musst es am Fest net entfalten." Der zweite Vorsitzende, Kellner und zweiter Kommandant Albert Krapf überreichten Kappl daher einen Regenschirm und eine Urkunde.

Perplex sprach der Bürgermeister von einer Ämterhäufung, aber für die drei Tage werde er alles andere ruhen lassen und seine neue Funktion voll erfüllen. "Wenn's ums Anzapfen beim Fest geht, braucht man sich schon mal keine Sorgen zu machen", erklärt Kappl. Er schlug den Zapfhahn mit drei Schlägen in das Fass Bier, das dann zusammen zu einer Pfanne heißem Leberkäse zur Feier im Feuerwehrhaus ausgeschänkt wurde.
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