Klein und voller Reize

"Hier ist alles im Kleinformat", dachte sich Michael Raab, als er zum ersten Mal die Kirche St. Peter und Paul besuchte. Mittlerweile ist der gebürtige Mittelfranke ein Experte für das Gotteshaus und ein Aktivposten der evangelischen Gemeinde.

300. Geburtstag feiert die Kirchen in diesem Jahr. Raab hat dafür eine Konzertreihe (siehe Kasten) auf die Beine gestellt, die verheißungsvoll begonnen hat. Gäste kamen aus dem Ort und der weiteren Umgebung. Mit diesen Veranstaltungen will der Organist das Kleinod der evangelischen Püchersreuther bekannter machen.

"Die Orgel, der Kirchenraum, einfach alles ist kleiner als ich es aus der Heimat in Sachsen bei Ansbach gewohnt war", erinnert sich Raab an seine ersten Eindrücke bei einem Gottesdienst am Buß- und Bettag vor einigen Jahren. "Die Kirche hat ihren Reiz."

Orgel bis ins Dach

Etwas Besonderes sei die 1983 sanierte Steinmeyer-Orgel. "Sie ist gut in Schuss, gut spielbar und hat einen phänomenalen Klang." Das Gehäuse stamme wohl noch aus alter Zeit. Früher ragte das Instrument durch die Decke bis ins Dach hinein, weiß Raab. Das war vor 1913, als die Kirche nach dem Ende des Simultaneums komplett renoviert und auch die zweite Empore ausgebaut wurde.

Etwa zwei Drittel der Püchersreuther sind katholisch, ein Drittel ist evangelisch. In der Familie Raab ist das Verhältnis sogar dreiviertel zu einem Viertel. Die Ehefrau, in Püchersreuth als Doris Schönberger geboren und aufgewachsen, sowie die Kinder Karin und Antonia sind katholisch. Nur Vater Michael ist evangelisch.

Die Töchter ministrieren, besuchen mit dem Papa und der Mama aber auch protestantische Gottesdienste. Die zehnjährige Antonia musiziert sogar im evangelischen Posaunenchor in Plößberg. Michael Raab: "Wir arbeiten gegen die uralten Zwistigkeiten." Zwar habe sich viel gebessert, aber Ressentiments gebe es noch zwischen den Konfessionen.

Tagsüber schließt Mesnerin Luise Dombrowski die Holztür zur Kirche auf. Zwar versperrt ein Gitter den weiteren Weg ins Gotteshaus, doch ein Blick ins Innere ist durchaus möglich. Dabei fallen zunächst die blaugrau gestrichenen Bänke ins Auge. Nach der Renovierung vor dem Ersten Weltkrieg zierten Blumenmuster die Flanken. Sie sind weitgehend überstrichen, nur der Pfarrer sieht sie noch vom Altarraum aus an den vordersten Bänken, Gut erhalten sind sie auch noch an der Empore. Auch die damals vorgenommene Marmorierung des Inventars samt der Kanzel ist noch in gutem Zustand.

Vom Gewitter zerstört

Ältestes Stück in der Kirche ist der Granitsockel des Taufsteins. Er stammt vermutlich aus romanischer Zeit und stand schon in der mittelalterlichen Dorfkirche, die 1283 als Peter- und Paulskirche benannt wurde. Ein Gewitter im Sommer 1714 machte den damals schon maroden Bau endgültig unbenutzbar.

Schräg gegenüber des Eingangs hängt an der Nordwand der Stammbaum der Familie Hund. Hanns Christoph von Hund finanzierte den Bau der heutigen Kirche maßgeblich mit. In nur einem Jahr stand der neue Turm. Endgültig fertiggestellt war das vergrößerte Gotteshaus samt Altar und Orgel 1741.

Ebenfalls vom Eingang aus zu entdecken ist im mittleren der ansonsten schmucklosen Fenster über der Ahnentafel eine runde Grisaillescheibe, die eine Dame mit Fächer und hochspringendem Hund zeigt. Raab geht davon aus, dass das in schwarz gehaltene Stück um 1600 entstanden ist. An insgesamt neun Stellen hat der 46-Jährige in der Kirche das Hundsche-Wappen mit dem springenden Tier gefunden. Von den Freiherrn existiert ein Kelch, der nur zum Abendmahl in der Kirche ist.

Die Gemeinde selbst sei sehr lebendig, sagt Raab, der seit 2004 in Püchersreuth wohnt. Auch wenn der von ihm gegründete Kirchenchor mangels Mitgliedern bald wieder eingeschlafen sei, gebe es eine aktive Gemeinde. Bereits seit 1961 spielt Kurt Meißner Orgel. "Es sind tolle Leute, die sich ihr ganzes Leben für etwas engagiert haben und sich einbringen", freut sich der Kirchenvorstand, der als Konrektor im Sonderpädagogischen Förderzentrum in Vohenstrauß tätig ist. "Auch sonst finden sich für alle anstehenden Aufgaben Helfer."

Raab wünscht sich, dass es auch in Zukunft eine selbstständige Gemeinde in Püchersreuth im Verbund mit Plößberg, Schönkirch und Wildenau gibt, damit im Ort weiterhin regelmäßig Gottesdienst gefeiert wird. "So bleibt Leben in der Kirche und die Kirche am Leben."
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