Kleine und mittlere Unternehmen müssen um jeden Azubi kämpfen
Tausende Lehrstellen unbesetzt

Auch zum der Start des neuen Ausbildungsjahres gibt es noch zahlreiche offene Lehrstellen. Archivbild: dpa

Die Zahl der Auszubildenden sinkt: Es gibt immer weniger Schüler und immer mehr wollen studieren. Kleinere und mittlere Unternehmen müssen sich daher etwas einfallen lassen im Wettbewerb um die Fachkräfte von morgen.

München. (dpa/bm) Zum Start des neuen Lehrjahres haben zahlreiche Firmen in Bayern keine Auszubildenden gefunden. In Oberbayern seien noch immer 9000 der insgesamt rund 29 000 Lehrstellen frei, teilte die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern am Montag mit. "Vor allem kleine und mittlere Unternehmen müssen um jeden Azubi kämpfen", sagte IHK-Präsident Eberhard Sasse. Viele Betriebe hätten wegen der guten konjunkturellen Lage und dem absehbaren Fachkräftemangel besonders viele Lehrstellen angeboten, erhielten aber immer weniger Bewerbungen.

Freie Plätze im Handwerk

Auch das Handwerk in der Oberpfalz sucht nach geeignetem Nachwuchs. Bis Ende August seien 2357 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen worden, teilte die Kammer am Montag in Regensburg mit. Doch ihrer Lehrstellenbörse zufolge seien quer durch alle Berufssparten noch 846 Stellen unbesetzt gewesen. Das sei im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 7,91 Prozent. Die meisten freien Stellen in der Oberpfalz gibt es der Kammer zufolge für Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk, Elektroniker und Anlagenmechaniker für Sanitär-Heizungs- und Klimatechnik. "Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ist ungetrübt hoch", betont Hans Schmidt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Kammer. "Es spielt weder eine Rolle, ob jemand das Abitur oder den qualifizierenden Hauptschulabschluss hat, noch aus welchem Land er kommt. Wer sich für eine Handwerksausbildung interessiert und die nötigen Voraussetzungen wie handwerkliches Geschick, gute Umgangsformen und Teamfähigkeit mitbringt, hat gute Chancen auf einen passenden Ausbildungsplatz", so Schmidt weiter.

Die berufliche Ausbildung verlagert sich einer Untersuchung der staatseigenen Förderbank KFW zufolge immer stärker in mittelständische Unternehmen. Während die Zahl der Auszubildenden insgesamt seit geraumer Zeit sinke, hätten die mittelständischen Firmen die Zahl der Nachwuchskräfte in den vergangenen fünf Jahren bei etwa 1,2 Millionen konstant gehalten, teilte die KFW mit. Damit absolvierten zuletzt 85 Prozent der Azubis ihre Berufsausbildung in einem mittelständischen Betrieb - ein Rekordwert, so die KFW.

Hochschulen Konkurrenz

Für kleine und mittlere Unternehmen sei die betriebliche Ausbildung das zentrale Instrument zur Fachkräftesicherung, sagt sagte KFW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner.. Das wird für die Unternehmen immer schwieriger: Die Zahl der Schüler sinkt, und gleichzeitig wollten immer mehr studieren. Die Mittelständler konkurrierten daher nicht nur mit großen Konzernen, sondern auch mit den Hochschulen.

Im Zuge des demografischen Wandels werde es immer weniger Schulabsolventen geben. Das duale Ausbildungssystem müsse daher zukunftsfest gemacht werden. Als Ansätze nannte Zeuner eine verbesserte Nachqualifizierung von jungen Menschen ohne Berufsabschluss und Zuwanderern. Zudem sollten Studienleistungen besser angerechnet werden können, heißt es in der Studie.
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