Kleines Lexikon populärer Irrtümer und moderner Mythen: Aberglaube operiert mit Halbwissen und ...
Es muss nicht stimmen, nur stimmig sein

Aberglaube
Alternative Medizin: Homöopathie wird immer beliebter. In Deutschland wurde im Jahre 2013 für homöopathische Medikamente eine halbe Milliarde Euro ausgegeben. Professor Edzard Ernst, Kritiker komplementärer Medizin, weist darauf hin, dass noch immer jeder wissenschaftliche Nachweis für die Wirksamkeit von Homöopathika fehle. Der Nutzen vieler alternativer Heilverfahren gehe oft nicht über den Placeboeffekt hinaus. "Die Schwierigkeit dabei ist", gibt "Skeptiker"-Mitglied Ivo Ponocny zu, "in der Schulmedizin und der Pharmaindustrie gab es so viele Skandale, dass man jeden versteht, der Alternativen sucht".
Moderne Mythen: Zahlreiche Versionen von Geschichten über unappetitliche Essenzusätze (wie Hundefutter oder Sperma) in Speisen von Restaurants ausländischer Küche verbreiten Vorurteile gegen Minderheiten. Weit verbreitet sind im Internet Meldungen, in denen vor Tierfängern gewarnt wird, für die "Ausländer" die mögliche Beute ausspähen. Auch Sagen mit gefährlichen exotischen Tieren, die Vogelspinne in der Yuccapalme, sind populär.
Schornsteinfeger: Nicht jedem erschließt sich sofort, warum der Kaminkehrer, der einen in aller Früh aus dem Bett klingelt, Glück verheißen soll. Der Volksglaube, der bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht, beruht wohl darauf, dass der schwarze Mann Brände verhinderte, wenn er Feuerstellen vom Ruß befreite.
Schwarze Katze: Bei der Christianisierung des Abendlandes räumten die neuen Machthaber auch radikal mit vermeintlichen Symbolen des älteren Glaubens auf. Die Katze, eine schwarze obendrein, der magische Kräfte unterstellt wurden, hatte als Gehilfin heidnischer Bräuche und später von Hexen einen schweren Stand. Der Versuch, das Tier im Mittelalter auszurotten, leistete den Trägern der Pest, den Ratten, Vorschub.
Sterne: "40 Prozent der Bundesbürger glauben an Astrologie", zitiert Ivo Ponocny eine Allensbach-Studie. "Rund 20 Prozent glauben sicher daran, 20 ganz bestimmt nicht - die dazwischen denken, ,a bissl was könnt' dran sein'." Die Komplexität der kosmischen Dimensionen hat schon Kepler und Könige verführt. Umkehrschluss: Selbst wenn die Abermilliarden Sterne in unendlichen Weiten Einfluss auf unser Erdenleben hätten - wer soll das berechnen, wenn wir schon Jahrzehnte lang am Eisengehalt des Spinats scheiterten?
Verschwörungstheorien: Seit Jahrzehnten wird über die Hintergründe der Kennedy-Ermordung gestritten. Und jeder Tag gebiert neue Theorien. Eine populäre These lautet, die Bundesrepublik existiere gar nicht, weil sie nie eine richtige Verfassung bekommen habe ("Die BRD-Show"). Groteskerweise gilt diesen Theoretikern dann als Beleg, dass im Pass "deutsch" und nicht "Deutscher" stehe. Andere sind überzeugt, dass die Anschläge vom 11. September 2001 von der CIA gesteuert wurden, oder dass die Regierung die Landung von UFOs verheimliche.
Zahlen: "Zahlen üben auf viele eine Faszination aus", sagt Mathematiker Ivo Ponocny. "Zahlensysteme sind ähnlich komplex wie die Konstellationen der Sterne, da muss einfach mehr dahinterstecken." Dabei werden Zahlen hochgradig kulturabhängig belegt: "Im Judentum ist die 13 auch eine Glückszahl - die vollkommene Zahl 12 plus 1." In Asien sei die 4 ein No-go: "Sie klingt fonetisch wie der Tod." Natürlich leidet die Primzahl 13 auch unter dem Abendmahltext: "In unserem Kulturkreis ist Judas der 13. Teilnehmer - der, der Jesus verraten hat", sagt Pfarrer Hans-Martin Meuß.


Eine Umfrage in Amberger und Weidener Hotels zeigt: Das Zimmer Nummer 13 ist so selten wie das 13. Stockwerk in amerikanischen Wolkenkratzern oder Platz Nummer 13 bei Fluggesellschaften.

Lediglich die Amberger Fronfeste, das Themen-Hotel im ehemaligen Gefängnis, scheut sich nicht vor Zelle 13: "Ich frage die Leute immer, ,seid ihr abergläubisch?'," erzählt Karsten Hunner. "Aber bisher haben nur einige gesagt, sie seien etwas sensibel und sie empfänden das Haus insgesamt als spooky", lacht der Kulissenbauer. (jrh)
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