Kleines und feines Kirchlein

Die Dorfkapelle St. Wendelin von außen. Bild: fvo

Wenn jemand 80 Jahre alt ist, kann er viel erzählen. Könnte die kleine Spielberger Dorfkapelle St. Wendelin sprechen, würde dies garantiert auch so sein. Das Gotteshaus feiert 80. Geburtstag - wirkt aber dank der fürsorglichen Pflege der Dorfbevölkerung sehr jugendlich und frisch.

Vor acht Jahrzehnten, am 11. November 1934, erhielt sie durch den damaligen Pfarrer Haller die Weihe und wurde das erste Messopfer gefeiert. Seit dieser Zeit ist sie der Mittelpunkt des Dorfs: die Kapelle des heiligen Wendelin in Spielberg. Die Dorfbewohner sind sehr stolz auf ihr Schmuckstück in der Herzmitte ihres Ortes und legen großen Wert auf Sauberkeit und Blumenschmuck.

Es ist bereits die dritte Kirche. Die Spielberger erbauten 1767 ein kleines Gotteshaus, das durch die Säkularisation 1803 zerstört wurde. 22 Jahre später errichteten sie eine erweiterte zweite Kapelle, die schließlich auch bald zu klein war. Sie stand dort, wo heute eine prächtige Kastanie den Dorfplatz schmückt.

1928 gründeten 13 Spielberger Männer einen Kapellenbauverein, um eine größere Kirche zu bauen. "Monatlich wurden 3 Mark pro Mitglied erhoben", berichtet Heimatpfleger Georg Schmidbauer. Dank des unermüdlichen Einsatzes des Vorsitzenden Gregor Käs, der Landwirt und Mesner war, hatte der Verein im Januar 1931 einen Kassenstand von 1750 Mark, was - vom damaligen Wert her gesehen - nach Schmidbauers Umrechnungen fast 15 000 Euro waren. Mit diesem doch bescheidenen Kapital ging man schließlich 1933 ans Werk. Der Zimmerermeister Michael Einweg machte den Plan, den Baugrund neben der Schule stellte der Ökonom Beer zur Verfügung. Da der Grund sehr feucht war, verwendete man zu seiner Verfestigung den Bauschutt der abgerissenen alten Kapelle.

Aus Granitbruchsteinen

Die Außenmauern wurden aus behauenen Granitbruchsteinen geschlagen, die der ortsansässige Steinhauerbetrieb Schmaderer schon Jahre vorher im nahen Wald aus Granitfindlingen in mühevoller Handarbeit gefertigt hatte. Die Firma Säckl aus Flossenbürg zog mit Hilfe der Bewohner die Mauern in die Höhe.

Bei dieser dritten Kapelle hatte das in Waldthurn befindliche Pfarramt das Aufsichtsrecht. Man wollte pro Woche eine Schulmesse und einen Sonntagsgottesdienst halten. Hinsichtlich der Schulmesse war es für den Kooperator doch sehr belastend, wöchentlich bei jeder Witterung den Weg nach Spielberg anzutreten. "Schaut's, dass noch etwas Zement übrigbleibt und macht euch gleich einen zementenen Pfarrer", hat damals Pfarrer Georg Haller gesagt. Im Frühjahr 1934 fertigte der Zimmerermeister Einweg den Dachstuhl, die Spielberger Waldbesitzer stifteten das Holz dazu.

Am 24. Oktober meldet Pfarrer Haller, der sich anscheinend inzwischen mit dem Kapellenbau angefreundet hatte, an das Ordinariat, dass die Schulkapelle nun fertig sei. Im Dezember des gleichen Jahres erfolgte die Konsekration des Kelches - fortan fand dann jede Woche in der St.-Wendelin-Kapelle eine Schulmesse statt. Die Kosten von 13 000 Reichsmark konnten bald beglichen werden, der Kapellenbauverein löste sich 1945 auf.

Am kommenden Dienstag, 11. November, wird der Geburtstag der kleinen Kapelle mit einem Festgottesdienst um 19.30 Uhr, auf den Tag genau 80 Jahre nach der Einweihung, gefeiert. Dabei wird der lebenden und verstorbenen Wohltäter der Kapelle gedacht.

Der Mesnerdienst ist auch heute noch in den Händen der Familie Käs. Lisa Käs, die Waldthurner Frauenbund-Vorsitzende, kümmert sich liebevoll um das kleine Kirchlein.
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