Klinik in Cannes vertauscht Babys: Familien bekommen Millionen-Entschädigung
Manon ist Mathilde

Gut zwei Jahrzehnte nach der Geburt ihrer im Krankenhaus vertauschten Babys bekommen zwei Familien in Frankreich eine Millionen-Entschädigung. Ein Gericht in Grasse sprach den Betroffenen am Dienstag fast zwei Millionen Euro zu, wie die Anwältin der verurteilten Klinik in Cannes mitteilte. Die Forderungen der Kläger an die Ärzte, die damals auf der Geburtsstation tätig waren, wies es zurück.

Die Familien hatten mehr als zwölf Millionen Euro Schadenersatz verlangt. Die heute 20-jährigen jungen Frauen werden nach der Entscheidung je 400 000 Euro bekommen, der Rest verteilt sich auf die Eltern und Geschwister. Der Klägeranwalt Gilbert Collard zeigte sich sehr zufrieden mit dem Urteil des Gerichts.

In einem Kinderbettchen

Die neugeborenen Mädchen Manon und Mathilde waren im Sommer 1994 in der Klinik vertauscht worden. Beide bekamen nach ihrer Geburt Gelbsucht und wurden aus Platzgründen gemeinsam in ein Kinderbett gelegt. Später gab eine Angestellte auf der Geburtsstation die falschen Babys heraus, wobei die jungen Mütter Zweifel anmeldeten - denn ein Elternpaar war hellhäutig, das andere stammte von der französischen Insel La Réunion im Indischen Ozean.

Einem der Ehemänner war es nach zehn Jahren zu bunt geworden: Er war Spott ausgesetzt, weil seine Tochter einen anderen Teint hatte als er, der angebliche Vater. Also ließ er den DNA-Test machen. Dieser deckte auf, dass beide nicht die biologischen Eltern waren.

"Echte" Tochter in der Nähe

"Wenn es uns da passiert ist, dann kann es auch anderen passieren", empörte sich Sophie Serrano, eine der Mütter. Sie hat Manon aufgezogen, während ihre biologische Tochter Mathilde 30 Kilometer entfernt aufwuchs. "Ich habe es am Ende geglaubt", erklärte Serrano, warum sie das Kind schließlich akzeptiert hatte.

"Die Vertauschung geht auf eine Angestellte der Klinik zurück, die die Vorschriften nicht eingehalten hat, weil sie an einer schweren Depression litt und an chronischem Alkoholismus", argumentierte eine Anwältin der Klinik. Die Eltern haben sich und ihre biologischen Töchter dann getroffen, ohne dass dabei ein "Rücktausch" vereinbart wurde. Die jungen Frauen wollten nicht zu ihren eigentlichen Eltern zurück.
Weitere Beiträge zu den Themen: Weltgeschehen (20753)Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.