Knapp acht Jahre Gefängnis für tödlichen Angriff am Berliner Alexanderplatz
Messerstecher verurteilt

Für einen tödlichen Messerangriff auf einen Unbekannten am Berliner Alexanderplatz ist ein 19-Jähriger zu knapp acht Jahren Jugendhaft verurteilt worden. Nach Überzeugung des Gerichts rammte der junge Angreifer im Sommer 2014 seinem 30-jährigen Opfer eine lange Klinge in die Herzgegend. Der Bademeister, der einen Streit hatte schlichten wollen, verblutete.

Am Montag verurteilte das Landgericht den 19-Jährigen wegen Totschlags zu einer Jugendstrafe von sieben Jahren und acht Monaten Haft. Täter und Opfer hatten sich nicht gekannt. Es sei eine Tat ohne erkennbaren Anlass, sagte der Vorsitzende Richter Norbert Nowak. Der Fall zeige, welche schweren Folgen es haben könne, "wenn junge Männer mit Messern unterwegs sind, unter Drogen stehen und eine niedrige Reizschwelle haben".

Eine Tat ohne Motiv

Der Jugendliche stritt mit einer ihm fremden Frau, die in Begleitung des Bademeisters war. Dieser wollte deeskalieren. Das Gericht sprach von einer "Spontantat mit bedingtem Tötungsvorsatz". Der Angeklagte habe sich möglicherweise gedemütigt gefühlt. Weil er nächtelang nicht geschlafen und Drogen konsumiert hatte, habe der Täter die "tatsächliche Situation nicht richtig reflektiert". Das Gericht ging von verminderter Schuldfähigkeit aus. Anders als die Staatsanwaltschaft sahen die Richter keine Heimtücke: Ein bewusstes Ausnutzen der Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers sei nicht festgestellt worden. Die Anklage hatte neun Jahre Jugendstrafe wegen Mordes verlangt. Man werde Rechtsmittel prüfen. Die Verteidigerin des teilgeständigen 19-Jährigen hatte maximal sechs Jahre Haft gefordert.

Für die Familie des Getöteten sagte Anwalt Roland Weber, die Tat sei Ergebnis einer langen Fehlentwicklung - der vorbestrafte 19-Jährige sei jahrelang vom Jugendamt betreut worden. "Wenn deutlich früher klare Zeichen gesetzt worden wären, wäre es nicht so weit gekommen."
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