Koalitionsgipfel "unter Strom"

Eine Einigung war zunächst nicht in Sicht. Beim Koalitionsgipfel gestern Abend in Berlin ging es auch um die Stromtrassen aus dem Norden nach Bayern. Die CSU will sich nicht festnageln lassen.

Im Streit um neue Stromtrassen nach Bayern ist die CSU unnachgiebig in die Koalitionsrunde am Dienstagabend in Berlin gegangen. Man werde nicht unter Zeitdruck entscheiden, sagte Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) in München. "Je schneller die Entscheidung getroffen wird, desto besser. Aber es gilt: Qualität geht vor Schnelligkeit."

Die CSU besteht auch weiterhin darauf, dass zunächst die Frage entschieden werden müsse, wo der Strom künftig herkommen soll. Mit Blick auf neue Trassen bekräftige sie: "Es wird nur das gebaut, was notwendig ist." Aigner verwies dabei auf eine Idee, die bereits beim bayerischen Energiedialog diskutiert worden sei: dass neue Leitungen auf oder neben bestehenden Wechselstromtrassen verlegt werden könnten. Diese Variante gilt inzwischen als möglicher Kompromiss in dem Trassenstreit, der seit Monaten zwischen der CSU und Berlin tobt.

CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt erwartete noch keine Einigung beim Treffen der Koalitionäre. "Die Entscheidung über die Leitungen kann erst am Ende stehen", sagte Hasselfeldt in Berlin. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) zeigte sich zuletzt gesprächsbereit bei der Trassenführung und bei der Erdverkabelung als Alternative. Nach einer Studie für die Strombörsen EEX und EPEX Spot könnte die Blockade Bayerns gegen den Netzausbau die Stromkunden mindestens 100 Millionen Euro im Jahr kosten, weil dann der Strommarkt in zwei Preiszonen aufgeteilt werden müsste.
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