Körper am Strand, Kopf im Büro

Drei Urlauber im Strandkorb, am Timmendorfer Strand: Das Trio scheint keine Probleme mit dem Abschalten zu haben - anders rund 14 Prozent der Deutschen, die im DAK-Urlaubsreport angeben, sich nicht bis wenig erholt zu haben. Bild: dpa

Monatelang im Arbeitsstress und dann plötzlich Urlaub? Nicht jeder kommt mit so einem Wechsel klar und erholt sich nach Plan - das zeigt eine aktuelle Umfrage unter zurückgekehrten Urlaubern.

Nicht abschalten können - das ist es, was laut einer neuen Umfrage den Deutschen am häufigsten den Urlaub vermiest. 38 Prozent derjenigen, die sich in diesem Sommer nicht gut erholt haben, nannten dafür diesen Grund, wie das Meinungsforschungsinstitut Forsa für den am Freitag veröffentlichten DAK-Urlaubsreport 2015 ermittelte.

Weitere Ursachen für ausgebliebene Erholung waren der repräsentativen Studie zufolge Stress mit Familie oder Freunden (23 Prozent), schlechtes Wetter (13) und Krankheiten (11). Auch wer über Handy oder Internet erreichbar sein musste (9) oder sich über den Ferienort ärgerte (6), hatte keine rechte Freude am Urlaub.

Karrieristen unter Strom

Die große Mehrheit gab an, sie habe sich gut (39) oder sehr gut (46) erholt. Nur zehn Prozent bewerteten ihre Erholung mit "weniger gut", vier Prozent erklärten, sie hätten sich überhaupt nicht erholt. Schwierigkeiten, den Urlaub zu genießen, haben offenbar vor allem die 30- bis 44-Jährigen. Von ihnen erholten sich zwölf Prozent weniger gut, acht Prozent überhaupt nicht. Da die berufliche Herausforderung in dieser Lebensphase oft besonders groß sei, falle hier auch die Entspannung im Urlaub schwer, erklärte der DAK-Gesundheitsexperte Ralf Kremer. "Wer ständig auf sein Smartphone schaut, kann den Blick aufs Meer oder die Berge nicht genießen."

Allerdings geht es hierbei nicht unbedingt um das private Mobiltelefon. "Wenn es möglich ist, sollte man im Urlaub das Diensthandy aus lassen", rät York Scheller, Diplom-Psychologe bei der Techniker Krankenkasse. Der allgemeine Verzicht auf Handy oder Internet kommt im Ergebnis der Umfrage erst auf Platz sieben der Erholungsfaktoren (30 Prozent). Viel wichtiger waren Sonne und Natur (77), Zeit mit der Familie (65) oder der Wegfall der Arbeitsbelastung (59).

Böse Überraschung

Wer sich in den Ferien gut erholt und Dienst-Mails keines Blickes gewürdigt hat, kann am ersten Arbeitstag eine böse Überraschung erleben: "Wenn am Tag nach dem Urlaub viele Termine, liegen gebliebene Arbeit und eine Flut von E-Mails im Büro warten, steht man gleich wieder unter Druck und die Erholung ist dahin", sagt Scheller. Erholung brauche Zeit, auch nach dem Urlaub. Darum sei es besser, möglichst in der Mitte der Woche wieder einzusteigen, wenn das Wochenende schon nah ist.

Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) warnte vor übertriebenem Einsatz am Arbeitsplatz. "Wer zu schnell und zu viel arbeitet, macht leicht Fehler und gefährdet seine Gesundheit", meinte Diplom-Psychologin Sabine Gregersen von der BGW.
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