Kommentar: Die Zeit auf seiner Seite

Flossenbürg hat seinen "Demjanjuk". Die Staatsanwaltschaft Weiden ermittelt gegen den damaligen Leiter der Funkstelle des KZ Flossenbürg. Unter anderem wird ihm vorgeworfen, Exekutionsbefehle weitergegeben zu haben. Ein Rad im Getriebe der Vernichtungsmaschine.

Gut möglich, dass der 95-jährige Beschuldigte nie vor Gericht kommt, weil er altersbedingt nicht verhandlungsfähig ist. Die Zeit war auf seiner Seite. 70 Jahre hat er mit seiner Schuld gelebt, ohne dass sein Tatbeitrag geklärt oder gesühnt worden wäre. Gerade Flossenbürg ist ein Musterbeispiel für jahrzehntelange Verdrängungspolitik und mangelnden Aufklärungswillen. Die Versäumnisse lassen sich nicht aufholen.

Viele NS-Verbrecher entzogen sich in den letzten Kriegstagen durch Flucht einer Verhaftung. In den Dachauer Prozessen 1946 machten die Amerikaner 52 SS-Angehörigen und Funktionshäftlingen des KZ Flossenbürg den Prozess, der in 15 Todesurteilen und hauptsächlich in Haftstrafen endete. Zum Vergleich: In der Spitze taten im KZ Flossenbürg und den Außenlagern 2500 Männer und 500 Frauen gleichzeitig Dienst.
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