Kräftiger Dämpfer für Pronold

Sonderlich populär war Florian Pronold in seiner Partei noch nie. Nun fügen ihm die bayerischen Sozialdemokraten eine echte Schlappe zu: Bei der Neuwahl des Landesvorstands stimmen viel mehr Delegierte als erwartet nicht für Pronold, sondern für seinen Herausforderer.

Die bayerische SPD hat Pronold für weitere zwei Jahre als Vorsitzenden bestätigt - ihm aber einen kräftigen Denkzettel verpasst. Auf dem Landesparteitag in Hirschaid setzte sich der 42-Jährige am Samstag mit nur 63,3 Prozent (176 Stimmen) gegen seinen Herausforderer durch, den auf Landesebene unbekannten Niederbayern Walter Adam (71). Dieser holte mit 31,7 Prozent (88) deutlich mehr Stimmen als erwartet worden war. Fünf Prozent der Delegierten enthielten sich.

Starkes Ergebnis für Karl

Generalsekretärin Natascha Kohnen wurde mit 84,7 Prozent bestätigt. Die Neustädterin Annette Karl (86,3 Prozent), Martin Burkert (85,5 Prozent) und Ewald Schurer (81,2 Prozent) bleiben stellvertretende Landesvorsitzende. Pronold, seit sechs Jahren Landeschef und Staatssekretär im Bundesbauministerium in Berlin, kam damit bei weitem nicht an sein Ergebnis von 2013 heran. Damals hatte er 80,6 Prozent geholt - allerdings ohne Gegenkandidaten. Zu seinem neuen Ergebnis sagte er, mit zwei Drittel der Stimmen habe er genügend Rückenwind, um die schwere Arbeit weiterzumachen. Adams Bewerbung sei eine demokratische Kandidatur gewesen, die der SPD gut getan habe. Adam reagierte hoch erfreut - er habe nur mit fünf Prozent gerechnet. Beweggrund sei Pronolds Kurs gewesen, auch eine Koalition mit der CSU nach der Landtagswahl 2018 nicht auszuschließen: "Genossen, das geht gar nicht."

Widerspruch bekam Pronold auch vom Parteinachwuchs. Der bayerische Juso-Chef Tobias Afsali mahnte unter Applaus, die SPD dürfe nicht "der Steigbügelhalter für eine verfehlte Politik" sein. "Nur es besser zu wissen, langt nicht. Wir müssen auch die Bereitschaft haben, es besser zu machen", sagte Pronold. Die SPD müsse es schaffen, ihre Überzeugungen zu real erfahrbarer Politik zu machen. Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly warnte vor Koalitionsdebatten. "Es gibt keine Wunschkoalition. Koalition ist immer scheiße." Es müsse darum gehen, möglichst viele Stimmen zu bekommen.
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