Krasser Fall von Denkmalfrevel
Das Haus nicht verstanden

Solch umfangreiche Sanierungsprojekte wie der Schießlstadl (Paulanerplatz 17) sind für einen Privatmann nicht zu stemmen. Da muss schon die Kommune selbst den Geldbeutel aufmachen. Dem Stadtbild tun aufpolierte Denkmäler auf jeden Fall gut. Bild: Huber
Amberg. (blm) So einen krassen Fall von Denkmalfrevel hat es in der Altstadt noch nicht gegeben. "Mittelalter im Schuttcontainer" titelte die AZ Mitte August, als sich der Hausbesitzer vor Gericht verantworten musste. Stadtheimatpflegerin Beate Wolters formuliert es anders: "Der Mann hat sein Haus einfach nicht verstanden." Zum Glück überwiegen aber perfekt gelungene Altbausanierungen.

"Das Gewölbe ist unwiederbringlich verloren." Beate Wolters ist immer noch entsetzt, was klammheimlich einem Gebäude in der Fußgängerzone angetan wurde.

"In einem der wertvollsten denkmalgeschützten Häusern der Altstadt", wie sie es bezeichnet, riss ein 62-Jähriger ohne Genehmigung einen mittelalterlichen Keller ein (wir berichteten). Das alles nur, um im Erdgeschoss eine ebenerdige Fläche für einen etwaigen Verkaufsraum zu schaffen. Der Fußboden stieg im hinteren Bereich rund einen Meter an, dort war eine fünfstufige Treppe. "Eigentlich ein charmantes Detail für einen Laden, das zum Raum passte und auch gehörte." Durch Zufall bekam die Untere Denkmalschutzbehörde Wind davon. 10.000 Euro Bußgeld muss der Mann nun zahlen, aber der Raum-Charakter und der Inhalt des Renaissance-Hauses bleiben für immer verloren.

1538 errichteten einst Handwerker das Gebäude, 1894 wurde es renoviert. Charakteristisch ist die Süd-West-Fassade mit Sichtmauerwerk. "Raigeringer Rhät-Lias-Sandstein wurde dazu verwendet, ein Schmuckstück", schwärmt die Kunsthistorikerin.

Was wohl über den Winter im Inneren vor sich ging, sei Gott sei Dank ein Einzelfall. "Aber ein gravierender", erklärt die Stadtheimatpflegerin gegenüber der AZ. "Denn eigentlich schätzen die Amberger ihre Denkmäler." Wenn die Besitzer historischer Gebäude selbst darin wohnen, sei das der Idealfall. Die Eigentümer gingen dann mit ihrem Gut sehr verantwortungsvoll um. "Man kann sagen, ein besonderes Gebäude verlangt eben auch einen passenden Besitzer. Wer nur rechte Winkel mag, für den ist ein Altbau nicht geeignet."

In die Hand von Experten

Wolters ist überzeugt: Die Sanierung solch einzigartiger Häuser gehört in die Hand von Experten. "Das kann man nicht mit Baumarkt und Kumpels machen." Es gibt in Amberg und Umgebung viele Fachleute und Firmen, die mit ihrem Wissen den Besitzern unterm Strich bei der Sanierung ihrer Gebäude eine Menge Zeit und Geld sparen. "Sie kennen die Materialien und wissen, was geht und was nicht, auch um die Immobilie vor Schäden zu bewahren."

Wolters rät: Bevor der Hammer zum Einsatz kommt, sollten sich Eigentümer von denkmalgeschützten Häusern bei der Unteren Denkmalschutzbehörde im Bauamt kostenlos beraten lassen. Hilfe erfahren Sanierungswillige auch von der Stadt, zum Beispiel mit dem Förderprogramm zur Fassadengestaltung im Altstadtbereich. Maximal 25.000 Euro gibt es dort als Zuschuss. Dass man aus einem Altbau etwas Schönes machen kann, zeigen viele Beispiele. "Seit vier Jahren bin ich nun Stadtheimatpflegerin und in dieser Zeit hab ich rund 30 Objekte begleitet, bei denen Privatleute ihre Häuser wirklich wunderbar saniert haben. Es ist schön, zu erleben, wie stolz die Besitzer dann auf ihre Gebäude sind."

Für das Gesamtbild der Altstadt zählen auch kleine, liebevolle Details. Großprojekte wie Schießl- oder Schmalzstadl seien für den Privatmann natürlich nicht mehr zu stemmen. "Solche Denkmäler kann nur die Stadt selbst sanieren und vor dem Verfall retten."
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