Kreativität der Telefonbetrüger scheint schier unerschöpflich zu sein
Der Trick mit dem Display

So sieht es normalerweise aus, wenn man mit der Polizeiinspektion Amberg telefoniert. Doch wie sich gezeigt hat, kann von der Nummer im Display nicht mehr zwangsläufig auf den Anrufer geschlossen werden. Bild: Huber
Amberg. (upl) Die Betrüger setzten diesmal auf die Nummernanzeige im Display. Um die Seriosität ihres Anrufs zu untermauern, ließen sie am Telefon der 75-Jährigen die Ziffernfolge aufleuchten, unter der die Amberger Polizeiinspektion zu erreichen ist. "Die Rufnummer der Polizei wurde missbraucht", erklärte Hauptkommissar Peter Krämer am Freitag.

1000 Euro in die Türkei

Es war am Tag vor Silvester gegen 12.10 Uhr, als das Telefon der Rentnerin aus Kümmersbruck klingelte. Der Unbekannte, der am anderen Ende der Leitung war, kam recht schnell zur Sache. 1000 Euro solle die Frau per Geld-Dienstleister Western Union in die Türkei überweisen, verlangte er. Eine Aufforderung, der die Seniorin natürlich nicht nachkam. Der Betrugsversuch kam ja auch allzu unverholen daher. Dann allerdings passierte etwas, das die Frau stutzig machte. "Nur wenige Minuten später klingelte das Telefon erneut. Der Anrufer diesmal gab sich als Polizeibeamter aus München aus", berichtete Krämer. Das Display zeigte eine Nummer mit Münchner Vorwahl an. Der Mann sagte, die Polizei habe das vorangegangene Gespräch mitgehört. Die Seniorin dürfe die 1000 Euro auf keinen Fall zahlen. Allerdings solle sie ruhig 500 Euro überweisen, das sei "zur Ergreifung des Straftäters" nötig. Nach dem Geldtransfer werde sie eine Belohnung in Höhe von 5800 Euro erhalten. Ein Polizist aus Amberg werde das Geld persönlich vorbeibringen. "Um den ganzen Unfug zu untermauern, läutete um 13.30 Uhr erneut das Telefon. Diesmal mit der 0 96 21/89 03 20, der Rufnummer der Amberger Polizeiinspektion", erläuterte Krämer. Als sich aber der Sohn der Seniorin meldete, legte der Unbekannte sofort auf.

Manipulation per Internet

Die Familie aus Kümmersbruck schaltete dann sofort die Polizei ein. "Wie die Täter im Detail an existente Telefonnummern kommen und wie diese dann beim Angerufenen angezeigt werden, ist bislang nicht gänzlich geklärt", teilte Krämer mit. "Es könnte jedoch sein, dass die Betrüger über Internet-Telefonie eine andere als ihre eigene Telefonnummer anzeigen lassen." Die Ermittler hätten ihre Arbeit aufgenommen.

Mittlerweile hat die Ermittlungsbehörde von einem ähnlich gelagerten Fall in Oberbayern Kenntnis erhalten. Die Polizei warnt vor dieser neuen Betrugsmasche. "Wer am Telefon aufgefordert wird, Geld zu zahlen oder zu überweisen, sollte sofort die Polizei verständigen und sich nicht von einer im Display angezeigten Nummer täuschen lassen."
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