Kreisrat Josef Schmaußer ist nicht mehr Mitglied der CSU-Fraktion im Ursensollener Gemeinderat
Das Amt kostet die Fraktion

Aus der CSU trete ich nicht aus, das ist eine Sache zwischen mir und sechs Leuten.
Ursensollen. Ausgangspunkt war die Kommunalwahl, nach der die CSU sieben Sitze im Gemeinderat hatte, Freie Wähler und SPD zusammen dagegen neun - plus Bürgermeister Franz Mädler. Von diesem kam offensichtlich das Signal, dass die CSU bei einem passenden Kandidaten den Posten des 3. Bürgermeisters besetzen könnte. Die führenden Christsozialen hatten hier an ihren Bürgermeisterkandidaten Achim Kuchenbecker gedacht. Den wollte Mädler aber nicht akzeptieren, sagt Josef Schmaußer, weil Kuchenbecker ein politischer Neuling ist und sich im Wahlkampf einige harte Auseinandersetzungen mit dem Bürgermeister geliefert hatte.

Kuchenbecker oder keiner

Als Mädler an Schmaußer herantrat, ob er sich für den Posten zur Verfügung stellen würde, sagte der langjährige Gemeinderat (seit 2012) und CSU-Ortsvorsitzende von Hohenkemnath (1991 bis 2007) zu. "Ich lasse das Mandat für die CSU nicht verfallen", sei sein Gedanke gewesen. Als er mit der CSU-Fraktion darüber gesprochen habe, sei die aber anderer Auffassung gewesen. "Kuchenbecker oder keiner" habe dort die Devise gelautet. Also ließ sich Schmaußer mit den Stimmen von SPD und FW zum 3. Bürgermeister wählen - mit Kuchenbecker als Gegenkandidat.

Der Ursensollener CSU-Ortsvorsitzende Stephan Meyer bestätigt, dass Achim Kuchenbecker zunächst der einstimmige Vorschlag der Fraktion für das Amt des 3. Bürgermeisters gewesen sei. Als klar wurde, dass er im Gremium womöglich keine Mehrheit bekommen würde, habe man darüber noch einmal diskutiert. Josef Schmaußer habe die Auffassung vertreten, dann solle man lieber jemand nominieren, der für die CSU sicher durchgehe. Die Mehrheit habe sich aber dafür ausgesprochen, es mit dem 35-jährigen Hoffnungsträger der Partei zu versuchen. "Die Abstimmung ging 6:1 gegen Josef Schmaußer aus", sagt Meyer.

Von SPD und FW gewählt

Zunächst habe Schmaußer sich diesem Beschluss beugen wollen, später aber mitgeteilt, dass er sich umentschieden habe. Nach einer längeren Diskussion habe er schließlich doch zugesichert, nicht gegen Kuchenbecker anzutreten. Genau das sei dann aber in der Gemeinderatssitzung passiert, als SPD und FW Schmaußer für den Posten des 3. Bürgermeisters vorschlugen und ihn auch gegen Kuchenbecker wählten.

Er habe sich von vielen Leuten Rat geholt, was er in dieser verzwickten Situation machen solle, schildert Schmaußer den Verlauf der entscheidenden Tage. Fast alle hätten ihm empfohlen, im Sinne des Mandats für die CSU anzunehmen. "Und ich habe kein Argument dagegen gesehen, außer natürlich, dass dies gegen die eigenen Fraktionskollegen geschehen musste." Franz Mädlers Argument, dass Kuchenbecker sich erst einmal in der Kommunalpolitik bewähren solle, ehe man ihm ein so wichtiges Amt anvertraue, habe er folgen können. "Ich betrachte - wie einige andere auch - das Amt des 3. Bürgermeisters als Auszeichnung und als würdigen Abschluss meiner politischen Tätigkeit", sagt Schmaußer, der bei der nächsten Kommunalwahl 69 Jahre alt sein wird und dann nicht mehr antreten will.

Kein Ausschluss

Das Tischtuch war aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz zerschnitten - erst zwei "Aussprachen" später. Da habe man dann eingesehen, dass die Differenzen zu groß seien, formuliert Stephan Meyer vorsichtig. Die Sprachregelung lautete, dass man "die Zusammenarbeit beendet hat, weil das Vertrauensverhältnis zerrüttet ist". Vor der Wahl der Ausschüsse im Gemeinderat habe man die Entscheidung treffen müssen, ob Schmaußer noch als Mitglied der CSU-Fraktion zu zählen sei oder nicht. "Und wir haben sein Verhalten dann so gedeutet, dass er nicht mehr dazugehört." Förmlich ausgeschlossen habe man ihn nicht, man sei sich aber bewusst geworden, dass man vorerst nicht mehr zusammenarbeiten könne.

Bei Josef Schmaußer hört sich die Erinnerung an die fragliche Sitzung der drei CSU-Ortsverbände der Gemeinde Ursensollen, etwas dramatischer an. Man habe ihn dort angefahren, "alle sind über mich hergefallen". Das habe das Fass zum Überlaufen gebracht. "So lasse ich nicht mit mir reden." Er habe sich deshalb dazu entschlossen, mit der CSU vor Ort nicht mehr zusammenzuarbeiten. Einer anderen Fraktion will Schmaußer sich nicht anschließen, "weil ich mein Gemeinderatsmandat über die CSU habe". In der Kreistagsfraktion sei diese Geschichte noch kein Thema gewesen, sagt er, da sei er weiterhin Mitglied. Und auch der Partei selbst will er treu bleiben: "Aus der CSU trete ich nicht aus, das ist eine Sache zwischen mir und sechs Leuten."

Meyer will Ruhe

Stephan Meyer will ebenso wenig einen Parteiausschluss von Schmaußer anstreben. "Es soll endlich wieder Ruhe einkehren", sagt er. In einem Jahr könne man vielleicht wieder schauen, was sich in dieser Sache ergeben habe. Meyers Rückblick klingt wie ein nachträgliches Friedensangebot: "Wenn Josef Schmaußer uns von Anfang an gesagt hätte, dass er unbedingt 3. Bürgermeister werden will, dann hätte sich schon ein Weg finden lassen, aber er hat es eben nicht so klar gesagt."
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