"Kriegshut" ganz friedlich

Im Ortsverzeichnis von Kirchendemenreuth findet sich der martialisch klingende Name "Kriegshut". Grund zur Furcht gibt es aber nicht. Die friedlich liegende Einöde hat eine 325-jährige Geschichte.

Das Areal gehörte einst zur früheren Gemeinde Altenparkstein. Alles überragt der 638 Meter hohe Vogelberg. Der Einödhof wird vor 1730 "Greichhout", danach "Krieghuet" genannt. Professor Johann Will schreibt in einer Abhandlung 1939 über den Ort im Landkreis Neustadt: "Im Volke heißt der Ort auch Naaris Hout, es weizt und spukt dort." "Greigartes" bedeutet mundartlich so viel wie Spuk. So könnte der Name "Spukhut" auf eine Weide zurückgehen, auf der es nicht mit rechten Dingen zugeht.

Mit der weiteren Namensforschung setzte sich Mitte der 50er Jahre Werner Schwertner aus Friedersreuth auseinander. Fündig wurde er im Staatsarchiv Amberg und in den verstreut herumliegenden Akten der Gemeinde Altenparkstein. Hier fand sich ein verloren geglaubter gesiegelter Erbbrief vom 10. Dezember 1732. Noch erkennbar im beschädigten Siegel sind der im Schild stehende doppelschwänzige Löwe und die Unterschrift "Zrönner".

Original-Dokument

Im Original steht die Aufschrift: "Erbbrief der dorffgemein Altenberkhstein yber 3 tägwerch öeden zue huet neben dem Kriegholz zugehörig". Der Verfasser war Johann Zrönner, Kastner und Mautner des Kurfürsten von Bayern in Kemnath. Zuständig war auch Johann Andre Pösnecker, kurfürstlicher Landrichteramts- und Pflegverwalter zu Waldeck. Im Brief ging es um den Verkauf von drei Tagwerk. Der Preis sollte sechs Gulden betragen, ein jährlicher Zins sollte dem Kastneramt übergeben werden. Im Brief kam jedoch hervor, dass es sich um einen Holzbestand beim Flurnamen "Kleiner Hengst" handelt, jahrzehntelanger Streit und etliche Prozesse inklusiv.

Darin eingebunden ist auch Johann Georg Rickhauer, kurfürstlicher Forstmeister zu Pressath. Kastellan Zrönner wollte mit dem Verkauf alle Auseinandersetzungen aus der Welt schaffen. Bei den Prozessen ging es um eine Art Kleinkrieg. Ein Grund, warum das Holz die Bezeichnung "Kriegsholz" erhielt. Aus den Unterlagen des Katasteramtes Kemnath-Waldeck geht hervor, dass ein gewisser Christoph Wopperer 1690 im "Kriegshut" für 35 Gulden ein Haus errichtete und jährlich eine Steuer von 42 Heller bezahlen musste. 1744 wird das Gebäude als "Pinter-Häusl" bezeichnet. Woher dieser Name stammt, ist nicht geklärt. In Südtirol sind "Pinterhäusln" für Menschen mit Behinderungen ein Begriff. 1728 erwirbt Adam Schrämbl das "schlechte Gütl" von den Erben des Vorbesitzers, dann folgt ein Wolfgang Heining.

Steigerung des Wertes

1793 übernimmt Bartl Heining den Einödhof für 400 Gulden. Aus dem Jahre 1808 stammt folgende Beschreibung: "Hölzernes Haus mit Stallung und einem hölzernen Stadl. Dazu gehörig, drei Ackerl auf der Kriegshut und eine einmähdige Wiese." Ergänzend wird ausdrücklich erwähnt, dass das "Häusl auf der Hut" neben dem "Kriegsholz" erbaut ist. Im Volksmund ergab sich dann für die Flur und das kleine Anwesen der Name "Kriegshut". Ab 1817 gehörte die Einöde mit acht Bewohnern zum Amt Waldeck und der Pfarrei Parkstein. Der Wert des kleinen Anwesens stieg. 1842 kaufte Josef Mayer, Müller in Altenparkstein, den Hof für 500 Gulden.

Vor 500 Jahren taucht erstmals der Name der heutigen Besitzer auf. 1864 übernimmt Georg Steiner aus Obersdorf, verheiratet mit Anna Kühner aus Wendersreuth, das Anwesen für 1187 Gulden. Dieser vererbt es 1892 an seinen Sohn Johann Wolfgang. 1932 steht Johann Steiner im Grundbuch, ihm folgten Wilhelm und Josef Steiner. Seit 2008 bewirtschaftet sein Enkel Mathias den Hof und die Felder. Ein Bekannter aus Altenparkstein hilft ihm dabei. An Tieren gibt es Schafe und einige Ziegen.
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