Kritik an Neuvergabe

Nach der Vergabe der S-Bahn Nürnberg an ein britisches Unternehmen herrscht in Franken große Skepsis. Politiker befürchten, dass der Wettbewerb zulasten der Beschäftigten geht. Fahrgastverbände erhoffen sich dagegen Verbesserungen für die Nutzer.

(dpa/räd) Ein britisches Unternehmen, die National Express Rail GmbH, soll künftig die S-Bahn in Nürnberg betreiben. Wie die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) am Montag mitteilte, erhielt sie den Zuschlag für den Betrieb des S-Bahn-Verkehrs von Dezember 2018 bis Dezember 2030. Im Zuge des weiteren Ausbaus soll das Netz um 48 Kilometer auf 272 Kilometer Streckenlänge anwachsen. Dafür liefert der tschechische Waggonbauer Skoda Transportation für 360 Millionen Euro 38 neue Triebzüge vom Typ "Regio-Panter." Das teilte der Maschinenbauer aus Pilsen (Plzen) am Dienstag mit.

20 Millionen Passagiere

Neben den Strecken von Nürnberg nach Bamberg, Hartmannshof, Altdorf, Neumarkt, Roth und Ansbach soll National Express auch die geplante Verlängerung über Ansbach hinaus nach Dombühl und den heutigen Allersberg-Express betreiben. Derzeit nutzen die fünf von der Deutschen Bahn betriebenen Linien etwa 20 Millionen Fahrgäste pro Jahr. Die BEG, die den Regional- und S-Bahn-Verkehr in Bayern kontrolliert, vergab den Betrieb nach einem europaweiten Wettbewerb.

Geschäftsführer der National Express ist der in Mittelfranken lebende Tobias Richter. Er war von 2001 bis 2008 Vorstand der Regentalbahn AG und Geschäftsführer der Vogtlandbahn GmbH. Richter war federführend bei der Errichtung des Betriebswerks Schwandorf und der Einführung des "Alex" von Hof nach München und Oberstdorf. Die Vergabe des Netzes stößt in der fränkischen Metropole auf Vorbehalte. Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) sagte am Dienstag, er bedauere die Entscheidung. "Wir sind immer davon ausgegangen, dass wir mit der DB einen bewährten Partner haben", betonte Maly. "Ein S-Bahn-Netz aus dem Stand heraus zu betreiben, ist durchaus schwierig." Die Stadt werde sehr genau beobachten, ob die Betreiberfirma alle Qualitätszusagen auch tatsächlich erfüllen werde. Die BEG verlangt unter anderem Mindestsitzplatzkapazitäten und barrierefreie Toiletten in jedem Wagen.

Herber Schlag

Ein Bahn-Sprecher teilte mit: "Ein Verlust dieses S-Bahn-Netzes würde für unsere Mitarbeiter in Nürnberg einen herben Schlag bedeuten." Die Vergabe werde nun erst einmal analysiert. Der Nürnberger Bundestagsabgeordnete Martin Burkert (SPD) fürchtet, dass der Wettbewerb "auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen" wird - bei Löhnen und Sozialleistungen. Bei dem neuen Betreiberunternehmen bestehe derzeit kein Tarifvertrag. In Nürnberg betroffen seien nach ersten Erkenntnissen 500 bis 700 Beschäftigte. Lukas Iffländer vom Fahrgastverband Pro Bahn sagte, man sei gespannt, wie sich ein neuer Anbieter in einer DB-Hochburg wie Nürnberg schlägt. Durch den Wettbewerb strenge sich die Bahn dann etwa bei den Regionalzügen erfahrungsgemäß mehr an.
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