Kritik an Vergleich zwischen deutschen Vertriebenen und Flüchtlingen - Gegenwind aus Berlin
Seehofer fährt Gauck in die Parade

(dpa/epd) CSU-Chef Horst Seehofer hat eine Äußerung von Bundespräsident Joachim Gauck zur Flüchtlingspolitik kritisiert und damit in Berlin einen Sturm der Empörung provoziert. Gauck hatte gefordert, als Lehre aus der Vertreibung von Millionen Deutschen vor 70 Jahren sollten die Deutschen Flüchtlingen heute mehr Hilfe gewähren. Dazu sagte der bayerische Ministerpräsident dem "Münchner Merkur: "Ich weiß aus vielen Gesprächen mit Heimatvertriebenen, dass sie solche Vergleiche nicht gerne hören." Die Fluchtursachen seien jetzt andere. "Jetzt geht es auch um massenhaften Asylmissbrauch. Ich finde diese Diskussion nicht angezeigt."

Von Grünen, Linken und auch dem Koalitionspartner SPD hagelte es Kritik. Deutschland brauche "jede fleißige Hand und jeden schlauen Kopf", sagte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) der "Leipziger Volkszeitung" (Freitag). Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) sagte der Zeitung, das Verhalten des CSU-Chefs sei "fast ekelhaft". Mit seinem Hinweis auf "massenhaften Asylmissbrauch" dienten sich Seehofer und die CSU "der AfD und den Kräften Rechtsaußen an". Die CSU ätzte zurück. Generalsekretär Andreas Scheuer erklärte: "Die Empörungsspezialistin der Republik, Claudia Roth, wäre gut beraten, ihr Hirn einzuschalten, bevor sie wild gegen die Flüchtlingspolitik der CSU polemisiert." SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi, sagte, gerade in Zeiten, wo sich "mancherorts brutaler Protest gegen Flüchtlinge zusammenrottet", sollten Politiker ihre Worte wohl wägen, "statt wie Horst Seehofer Ressentiments zu schüren und Stammtischparolen hinauszuposaunen".

Vor einer Asylbewerberunterkunft in Freital (Sachsen) hatten am Mittwoch den dritten Tag in Folge Asylkritiker und Flüchtlingsunterstützer demonstriert. Die Polizei kündigte an, rund um die Uhr vor dem Heim präsent zu sein.
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