Kritik vom Kirchenrechtler

Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller kritisiert den Verzicht der Limburger Staatsanwaltschaft auf ein strafrechtliches Verfahren gegen den früheren Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. "Die Kirchen sind kein Staat im Staat", sagte Schüller in einem Interview mit WDR 5, das am Sonntagmorgen ausgestrahlt wurde. Es sei "sehr überraschend", dass die Staatsanwaltschaft Vorwürfe wie die Veruntreuung von Kirchensteuergeldern nicht verfolgen wolle.

Mit Blick auf zivilrechtliche Schadenersatzansprüche des Bistums Limburg gegen den Bischof bezeichnete Schüller die Beweislage als "eindeutig". Das Bistum müsse im Zusammenhang mit Baumaßnahmen am Limburger Domberg nicht nur eine Summe von 3,9 Millionen Euro abschreiben, für die es keinen Gegenwert erhalten habe. Tebartz-van Elst habe darüber hinaus auch bischöfliches Vermögen veräußert, das eine völlig andere Zweckbindung gehabt habe. "Die Schadenssumme, um die es geht, liegt deutlich über den 3,9 Millionen Euro, die bisher genannt wurden."

Schüller bezeichnete es als denkbar, dass bei einem Erfolg der Klage ein Teil der monatlichen Pension des Bischofs vom Bistum einbehalten werde, bis die Schadenssumme beglichen sei. Denkbar sei auch eine außergerichtliche Einigung zwischen Bischof und Bistum. Schüller war von 1993 bis 2009 Leiter der Stabsstelle Kirchliches Recht im Bischöflichen Ordinariat Limburg.
Weitere Beiträge zu den Themen: Weltgeschehen (20753)Juli 2015 (8669)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.