Kunstvoller Blick in die Steinzeit

Hirsche und Pferde aus der Steinzeit: In der Chauvet-Höhle in Südfrankreich sind die ältesten und besterhaltenen Tierzeichnungen der Welt zu bestaunen - allerdings nur für einen ausgewählten Kreis von Fachleuten. Damit auch die Normalbürger diesen Einblick in graue Vorzeit gewinnen, haben Künstler eine detailgetreue Kopie der Höhle ausgestaltet. Am Samstag wird die Replik eröffnet. Bild: dpa

Gemälde aus gar nicht so grauer Vorzeit: Die bunten Felsbilder der südfranzösischen Chauvet-Höhle gehören zu den ältesten Malereien der Menschheit. Das Original ist für Touristen tabu - doch nun öffnet eine millionenteure Replik.

Obwohl er die Geschichte schon x-mal erzählt haben muss, ist Jean Clottes die Begeisterung auch nach 20 Jahren noch anzumerken. "Das war einer der großen Schocks, eins der großen wissenschaftlichen Gefühle meines Lebens", sagt der Prähistoriker über den Tag, als er über eine Leiter in eine kurz zuvor entdeckte Höhle hinabstieg. Auf den Felswänden sah er eine Sensation: Hunderte Tierfiguren, vor mehr als 30 000 Jahren auf die Felswände gemalt.

Die Chauvet-Grotte gehört inzwischen zum Unesco-Weltkulturerbe und wird streng abgeschirmt, nur ausgewählte Wissenschaftler und Ehrengäste dürfen diese Kunstgalerie der jüngeren Altsteinzeit bewundern. Doch nun können sich auch Touristen einen Eindruck verschaffen: Für 55 Millionen Euro ist in der Ardèche-Region, etwa 60 Kilometer nordwestlich von Avignon, eine aufwendige Kopie der Grotte gebaut worden. Am Samstag wird sie eröffnet. Die wissenschaftliche Bedeutung der 8500 Quadratmeter großen Höhle nahe dem Ort Vallon-Pont-d'Arc, Ende 1994 von drei Hobbyforschern entdeckt, ist enorm: Nach Angaben der Unesco handelt es sich um die ältesten bekannten und besterhaltenen Figuren-Zeichnungen der Welt.

"Wenn man Stück für Stück in die Intimität dieser Malereien einsteigt, wird einem die Größe dieser Künstler klar, ihre Meisterschaft", erzählt Alain Dalis. Der Franzose ist einer der Künstler, die in den vergangenen Jahren die Höhlen-Bilder abgekupfert haben. 350 000 Touristen soll die Replik pro Jahr anziehen. Staatspräsident François Hollande war bereits da. Jean Clottes fühlt sich angesichts der Detailgenauigkeit der Kopie an seinen ersten Besuch erinnert: "Ich glaube, dass das Publikum diese Emotion in der Replik spüren kann."
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