KZ-Gedenkstätte Flossenbürg für Europäischen Museumspreis nominiert
Oberpfälzer Außenseiter in Tallinn

Die Gedenkstätte in Flossenbürg ist Vieles: ein Erinnerungsort, ein Museum, weil sie nicht nur die Geschichte des Konzentrationslagers beleuchtet, sondern auch die Entwicklung der Anlage nach dem Jahr 1945. Bild: dpa
Weiden/Tallinn. (paa) Es ist das erste Mal, dass eine KZ-Gedenkstätte für den europäischen Museumspreis nominiert wurde. Eine KZ-Gedenkstätte bei einem Museumswettbewerb? Die Vorstellung irritiert.

Und doch ist von heute an die Gedenkstätte in Flossenbürg (Kreis Neustadt/WN) eines von 36 europäischen Museen, das sich beim Jahrestreffen des Europäischen Museumsforum in der estnischen Hauptstadt Tallinn vorstellt. Zwei bis drei Minuten bleiben Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit seine Institution zu präsentieren. Dann muss er sich den Fragen der Jury stellen. Abschließend bleiben ihm noch einmal gut fünf Minuten, um für Flossenbürg zu werben. Bereits vorab musste die Gedenkstätte ein Plakat und eine mediale Selbstdarstellung einsenden.

Skriebeleit rechnet sich allenfalls "Außenseiterchancen" aus. Doch schon allein die Nominierung ist ein Erfolg, eine Auszeichnung für die Arbeit in Flossenbürg. So sehen es auch die ehemaligen Häftlinge und ihre Angehörigen. Für sie ist das Thema Flossenbürg endlich da, wo es hingehört, in Europa, erzählt Skriebeleit im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Gedenkstätte in Flossenbürg ist Vieles: ein Erinnerungsort, ein Museum, weil sie nicht nur die Geschichte des Konzentrationslagers beleuchtet, sondern auch die Entwicklung der Anlage nach dem Jahr 1945. Zugleich ist die Gedenkstätte in Flossenbürg ein "Killing field", eine Schädelstätte - angesichts der Zehntausenden Opfer. Und: Sie ist unabhängig von ideologischer Einflussnahme. Sie arbeitet wie alle KZ-Gedenkstätten in Deutschland nur auf wissenschaftlicher Basis. Für Skriebeleit ein großes Plus.

Konkurrenz aus Nürnberg

Die deutsche Konkurrenz sitzt in der unmittelbaren Nachbarschaft. Neben der Gedenkstätte Flossenbürg sind fünf weitere deutsche Museen nominiert, darunter das Museum für Kommunikation Nürnberg und das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden. Der europäische Museumspreis ist nicht dotiert. Doch ob eine deutsche Einrichtung in Tallinn auf dem Treppchen landet entscheidet bis Samstag die Jury.
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