Landwirte setzen auf tierfreundliche Laufställe
Investition in zufriedene Kühe

Derzeit werden die Tiere noch in einem 60 Jahre alten Stall gehalten.
Guteneck-Trefnitz. (tib) Ein Beispiel für eine Landwirtsfamilie, die sich den Herausforderungen der Zukunft stellt und ihren Betrieb fit für die kommenden Jahrzehnte machen will, ist die Familie Seegerer aus Guteneck-Trefnitz. Sie nahm rund 500.000 Euro in die Hand, um auf ihrem Gelände einen neuen Laufstall für die Kühe zu bauen. Noch in diesem Herbst sollen die Tiere umziehen.

"Ein Risiko" - natürlich - wie der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schwandorf, Reinhold Witt, bei einem Ortstermin gestern sagte. Aber auch eine Chance. Bislang hielt die Familie Seegerer 26 Kühe in sogenannten "Anbindeställen. In der neuen "Heimat" der Tiere werden 63 Kühe Platz finden. Jede davon bekommt mindestens fünf Quadratmeter Platz, weichere Liegeflächen sowie mehr Licht und Luft. Das Futter wird zum großen Teil automatisch gesteuert, das Ausmisten geschieht völlig maschinell. Trotz der größeren Anzahl an Kühen hofft der Landwirt, dass die tägliche Arbeitsbelastung dadurch etwas weniger wird. "Das ist eine Investition in die Gesundheit - nicht nur der Kühe, sondern auch in die der Landwirtsfamilie", unterstreicht Witt. Höher wird dagegen die Milchproduktion: Für bis zu 1500 Liter pro Tag ist der Tank ausgelegt.

"Artgemäße Kuhplätze und attraktive Arbeitsplätze" - so fasst das Amt die Investition zusammen. Diesem Trend folgen immer mehr Landwirte im Landkreis. Von den 26.610 Milchkühen im Kreis steht seit diesem Jahr erstmals mehr als die Hälfte in derartigen Laufställen. "Die Landwirte erkennen, dass gute Leistungen nur von Tieren kommen, die zufrieden sind und gut gehalten werden", beschreibt Landwirtschaftsamts-Leiter Reinhold Witt diese Entwicklung. Ziel ist es laut ministerialen Vorstellungen aus München, dass in naher Zukunft 80 Prozent der Kühe in derartigen Laufställen gehalten werden.

Neue Förderperiode

Auswirkungen auf die Qualität des Produktes hat diese Art der Haltung zwar nicht, aber auf das Tier: "An der Milch sieht man den Unterschied nicht, aber an der Kuh", betont Landwirt Michael Seegerer, der den Hof zusammen mit Frau Angelika betreibt. Gemeinsam mit dem Berater für Unternehmensentwicklung am Landwirtschaftsamt, Herbert Wendl, hat die Landwirtsfamilie vor vier Jahren überlegt, wie es mit dem Betrieb weitergehen soll. Das Ergebnis ist die neue Halle, in der noch in diesem Jahr die Milch fließen soll. Die Maßnahme wird aus EU-, Bundes- und Landesmitteln gefördert. Laut Herbert Wendl startet ab Herbst eine neue Förderperiode, die die Umstellung von einem Anbindestall zu einem Laufstall besonders unterstützt.

In den vergangenen Jahren hat sich die Milchviehhaltung stark verändert: Im Jahr 2004 hielten nur rund drei Prozent der Milchbauern ihre Kühe in Beständen über 60 Tiere. Heuer sind es bereits zwölf Prozent. Damit blieb die Anzahl der Kühe im Landkreis in der vergangenen Dekade in etwa gleich - obwohl ein Viertel der damals rund 1200 Betriebe zwischenzeitlich aufgehört hat.
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