Lebensbuch mit vielen Kapiteln

Karl Nickl (Siebter von links) feierte 90. Geburtstag. Neben Schwester Elisabeth (links) gratulierten Kinder, Enkel und Urenkel, eine Abordnung der Feuerwehr und Bürgermeisterin Margit Kirzinger (Achte von links). Bild: fjo

Karl Nickl durchlebte glückliche und harte Jahre. Zimmermann und Kammerjäger war er einst, aber auch in russischer Kriegsgefangenschaft. Bei bester Gesundheit feierte er seinen 90. Geburtstag.

Wie aus einem Buch erzählt er aus seinem abwechslungsreichen Leben. Geboren und aufgewachsen in Reinhardsrieth, lernte er Zimmermann bei der ehemaligen Zimmerei Zandt in Pleystein. Kaum 14 Jahre alt, machte er sich mitten im Zweiten Weltkrieg täglich auf den Weg. Als er den Gesellenbrief in der Tasche hatte, aber noch nicht volljährig war, brachte der Postbote die Einberufung zum Reichsarbeitsdienst. Kurz danach musste er in den Krieg.

Drei Jahre Gefangenschaft

Am 20. Februar 1945 nahmen ihn russische Soldaten bei Polen gefangen. Daraus wurden über drei Jahre Gefangenschaft in Sibirien. Eingepfercht in einem Eisenbahnwaggon befand er sich am 8. Mai 1945 - als der Krieg zu Ende ging - mitten auf dem Moskauer Hauptbahnhof. Noch gut erinnert er sich an die langen Winter in Sibirien mit bis zu minus 54 Grad, Während der Sommer immer nur drei Monate dauerte und es nachts nie richtig finster war. Am 29. Juni 1948 wurde er entlassen, am 1. August konnte er in seinem einstigen Ausbildungsbetrieb wieder anfangen. Mit den Jahren kamen verschiedene Arbeitsplätze in der Region hinzu.

Dann ging es zum ersten Mal in Rente. Das Nichtstun hielt ihn aber nicht lange zu Hause. Er meldete sich auf eine Annonce für eine leichte Tätigkeit. Dahinter verbarg sich ein Posten als Kammerjäger. Noch einmal packte er zehn Jahre an und hatte große Freude bei dieser im bislang fremden Arbeit. 1949 heiratete er Anna Hawliczek, die im Nachbarhaus nach ihrer Vertreibung eine Bleibe gefunden hatte. Die Kinder Gertraud und Karl komplettierten die Familie.

Als seine Ehefrau am 6. September 1999 starb, führte er den Haushalt alleine weiter. Bis heute kocht, wäscht, bügelt und putzt er selbst. Holzmachen für die kalten Jahreszeiten gehört ebenfalls noch dazu. Zudem geht er gerne in seinem Heimatort und dessen herrlicher Umgebung spazieren. Große Freude bereiten dem Jubilar die Enkel Barbara, Elisabeth, Christian, Matthias und Kilian sowie die Urenkel Laura, Leopold und Nicki. Schwester Gertraud Besold aus Amberg kam zur Geburtstagsfeier in den "Kastanienhof" nach Hinterbrünst.

Schöne Geschichten

Das "Große Vereinsorchester" aus Waidhaus unter Leitung von Hermann Mack spielte ein Ständchen, das die Feuerwehr ihrem ältesten Mitglied spendiert hatte. Zweite Vorsitzende Anja Puff und Kommandant Josef Nickl wünschten alles Gute. Bürgermeisterin Margit Kirzinger erinnerte sich mit dem Jubilar "gerne an so viele schöne gemeinsame Geschichten".
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