Lebenslang für Todesschützen

Er hatte einen Blackout und die Waffe bei seinem Besuch im Rendsburger Finanzamt vor sieben Monaten nur zufällig dabei, gab der Steuerberater an. Dennoch lautete der Schuldspruch auf Mord und nicht Totschlag. Bild: dpa

Ein Steuerberater erschießt einen Finanzbeamten in dessen Büro. Der Mann fühlt sich jahrelang von der Behörde schikaniert. Nun muss er für die tödlichen Schüsse lebenslang hinter Gitter.

Sieben Monate nach den tödlichen Schüssen auf einen Finanzbeamten in Rendsburg ist ein Steuerberater zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Kieler Landgericht sprach den 55-Jährigen aus Fockbek (Schleswig-Holstein) am Dienstag wegen Mordes schuldig. Nach sechs Verhandlungstagen sahen es die Richter als erwiesen an, dass der Mann am 1. September 2014 einen 57 Jahre alten Abteilungsleiter der Finanzbehörde mit mehreren Schüssen niedergestreckt hatte. Das Opfer starb wenig später im Krankenhaus. Das Gericht folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die auf geplanten heimtückischen Mord plädiert hatte. Ein Gutachter erklärte den 55-Jährigen, der sich zur Urteilsverkündung aus seinem Rollstuhl erhob, für voll schuldfähig. Der Steuerberater fühlte sich seit Jahren vom Finanzamt schikaniert.

Zu Prozessbeginn hatte der 55-Jährige gestanden, auf den Beamten geschossen zu haben. Für die Tatzeit berief er sich aber auf einen Blackout. Der Mann wurde noch mit der Waffe in der Hand im Gebäude überwältigt. Seine Pistole will er nur aus Versehen zu einem Gespräch mit dem Beamten mitgenommen haben. Der Verteidiger hatte auf Totschlag plädiert und das Strafmaß ins Ermessen des Gerichts gestellt.
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