Lehrer: Mittelschule Stiefkind der Politik

Eine Mehrheit der Mittelschullehrer sieht die eigene Schulart tatsächlich als "Restschule". Dieses Ergebnis einer Befragung von 530 Lehrkräften alarmiert den Lehrerverband BLLV.

Die Lehrkräfte an den bayerischen Mittelschulen wünschen sich deutlich mehr Unterstützung der Politik. "Die Mittelschule ist keine Restschule, aber um ihre vielfältigen Aufgaben bewältigen zu können, brauchen wir eine deutlich verbesserte personelle Ausstattung", erklärte der Präsident den Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, Klaus Wenzel, in München.

Wegen der steigenden Zahl an Schülern aus Migranten- oder Flüchtlingsfamilien müsse zusätzlich psychologisch oder sprachlich geschultes Fachpersonal eingestellt werden. Aufgrund der vielen Flüchtlingskinder drohten derzeit zumindest keine weiteren Schulschließungen, so Wenzel. Der BLLV hatte die Lehrkräfte repräsentativ zur aktuellen Lage an den Mittelschulen befragt. Die Ergebnisse bezeichnete Wenzel als "erschreckend". Demnach ist nur jeder zehnte Lehrer der Ansicht, dass es für die individuelle Förderung der Schüler ausreichend Personal gebe. Jeder zweite Lehrer unterrichtet Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Hinzu komme ein hoher Anteil von Schülern mit geringen oder gar keinen Deutschkenntnissen. Vor diesem Hintergrund sei es inakzeptabel, dass 94 Prozent der Lehrkräfte keine Aus- oder Fortbildung in Deutsch als Zweitsprache hätten, so Wenzel.

In der Selbsteinschätzung fühlt sich eine Mehrheit der Mittelschullehrer von der Politik mit ihren Problemen allein gelassen. Unter den gegebenen Umständen sagten 71 Prozent der Lehrkräfte, die Bezeichnung "Restschule" sei richtig gewählt. Laut Umfrage meinen nur 34 Prozent der Lehrer, lernschwache Schüler könnten optimal gefördert werden. Wenzel erklärte, Haupt- und Mittelschulen würden seit jeher wie das "bildungspolitische Stiefkind" behandelt. "Es mangelt an allem - vor allem aber an dem Willen, dieser Schulart zu helfen", klagte Wenzel.

Aus dem Kultusministerium hieß es dazu, die Mittelschulen seien in den vergangenen Jahren inhaltlich fortentwickelt worden. Die Schüler würden dort durch engagierte Lehrer auf Beruf und Leben vorbereitet. So sei der Weg zu einem mittleren Schulabschluss konsequent ausgebaut worden. (Kommentar)
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