Lehrer und Schüler - Freunde und Fans

Der Umgang mit Facebook, Whatsapp und Twitter ist für Lehrer und Schüler mittlerweile völlig normal. Schwierig wird es nur, wenn die Kommunikationsplattformen für den gemeinsamen Schulalltag genutzt werden sollen.

Freundschaftsanfrage senden? Vor allem für Jugendliche und junge Erwachsene gehört ein "Ja" als Antwort auf die Frage zum Alltag in der Welt der digitalen Kommunikations-Plattform Facebook. Auf Twitter verursacht ein Klick auf "Folgen" auch keine große Bedenkzeit. Die Möglichkeiten der Kontaktaufnahme über digitale Plattformen wirft für Lehrer und Schulen neue Fragen auf. Ist die Beteiligung an Facebook und Twitter pädagogisch fortschrittlich, oder eine Kontrolle der Eltern und Schüler? Oder ist es ganz einfach eine private Entscheidung, die vom Dienst völlig getrennt ist?

Schüler sind als Klassen- oder Jahrgangsverband bei Facebook organisiert. Wenn am Folgetag eine Stunde ausfällt oder verlegt wird, sind die digitalen Plattformen eine praktische Möglichkeit, um die Gruppe zu informieren. Klar ist aber auch: Wenn ein Schüler nicht bei Facebook angemeldet ist, bleibt er außen vor.

Schüler nutzen Alternativen

"Wenn wir geschlossene Gruppen nutzen, um Fakten zu kommunizieren, darf das nicht der einzige Weg sein", beschreibt Oberstudiendirektor Wolfgang Wolters den Einsatz von Facebook am Max-Reger-Gymnasium in Amberg. "Niemand darf gezwungen sein, sich bei Facebook anzumelden, um an die Infos zu kommen." Die Schüler an der Schule, so Wolters, bevorzugen mittlerweile eine andere Möglichkeit, sich zu organisieren und auszutauschen. "Gruppen und Klassen organisieren sich nun verstärkt selbst bei Whatsapp."

Ohne Facebook-Fanseite bleibt auch die Möglichkeiten der Schule, auf diesem Weg "Werbung" für sich zu machen, außen vor. Homepages sind erwünscht, Kommunikationsplattformen bleiben eigentlich tabu. "Wir sehen den Nutzen der Seite parallel zur Homepage", betont Wolters. "Bei Facebook informieren wir zusätzlich über Veranstaltungen, Konzerte oder Ähnliches." Einen Wettbewerbsvorteil um Schüler angesichts sinkender Geburtenraten sieht Wolters derzeit nicht. "Unsere Zahlen sind stabil."

Florian Hösl, Lehrer für Mathematik und Physik am einzigen musischen Gymnasium in Amberg, betreut und pflegt die Homepage als offiziellen Internetauftritt und die Facebook-Fanseite "auch in den Ferien". Der Aufwand dafür hält sich seiner Meinung nach in Grenzen. "Vor über fünf Jahren bin ich dazugekommen und jetzt komm ich nicht mehr davon los." Sorgen wegen unflätiger oder beleidigender Nachrichten macht sich Hösl "in Grenzen". "Ich bekomme automatisch eine E-Mail, wenn sich was tut und kann jederzeit von nahezu überall eingreifen." Auch die Richtlinien des Kultusministerium schrecken den 37-Jährigen nicht. "Fanpages wie unsere sind erlaubt." Für Interaktionen mit Schülern und Postings setzen Florian Hösl und sein Schulleiter Wolfgang Wolters auf den "gesunden Menschenverstand der Nutzer".

Günter Fuchs ist Lehrer am Elly-Heuss-Gymnasium in Weiden und verantwortlich für die Facebook-Seite, die zusätzlich zur offiziellen Homepage betrieben wird. "Wir haben diese Seite als Visitenkarte im Netz und nicht als Kommunikationsplattform", betont Fuchs. "Interaktionen zwischen Lehrern und Schülern sind nicht möglich und auch nicht erwünscht. Ich denke nicht, dass es nötig ist, mehr als ein 'Gefällt mir' zuzulassen."

Die Entscheidung eine Seite zu haben, diese aber nicht mit Nachrichten aus und über die Schule und ihre Veranstaltungen zu bestücken, ist eine ganz bewusste Entscheidung der Schule. "Es darf nicht sein, dass ein Foto von Schülern erscheint und ohne Kontrolle Kommentare möglich sind." Auch auf der offiziellen Homepage des Gymnasiums sind Leser-Kommentare deswegen nicht zugelassen. Für alle Bilder, die dort erscheinen, liegen Einverständniserklärungen der Schüler oder Eltern vor. Der Datenschutz und die Wahrung der Persönlichkeitsrechte fielen bei der Entscheidung für diese Vorgehensweise schwer ins Gewicht. "Ohne Zustimmung geht kein Foto online."

Dilemma im Unterricht

"Das ist eine schwierige Geschichte", betont Martha Ebenburger-Otto, die stellvertretende Vorsitzende im Bayerischen Philologenverband. Medienkompetenz zu lehren aber gleichzeitig als Schule die wohl meistverbreitete Plattformen zu meiden, ist ihrer Meinung nach möglich. "Medienkompetenzerziehung heißt ja nicht, dass das besprochene Thema auch praktiziert werden muss. Die positiven Aspekte der Plattform bekommen die Schüler ja automatisch mit. Über die negativen Punkte gilt es aufzuklären."

Nutzer müssen private und berufliche Kontakte im selben Netzwerk verwalten. Dazu kommen Datenschutzbedenken und die Befürchtung, dass Schüler etwa private Urlaubsbilder kommentieren könnten. Eine Frage beschäftigt deshalb viele Pädagogen, die Facebook nutzen: Freundschaft mit Lernenden - ja oder nein? Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat das Thema schon 2012 aufgenommen und beschreibt in einem Beitrag von Jakob Schulz Vor- und Nachteile der Vernetzung. Beispiele aus dem Alltag der Lehrer zeigen Situationen aus dem Erfahrungsschatz der Lehrer, ohne eine wertende Position zu beziehen.

Als Privatperson auf Facebook befreundet sein? Die Meinungen der Lehrer und Schüler zu dem Thema sind auf der Facebookseite vom Oberpfalznetz ähnlich gelagert. "Eindeutig nein!" schreibt Facebook-Nutzerin Eva. Aus ihrer Sicht ist ein Lehrer eine Respektsperson und dazu gehört eben auch eine gewisse Distanz. Steffen hat sich zu seiner Schulzeit "davor gehütet" so etwas zu machen. "Es ist unschön, wenn Schüler Inhalte posten, die der Lehrer gar nicht sehen soll. Susanne ist ähnlicher Meinung. Aktuelle Schüler nimmt sie nicht in die Freundschaftsliste. Für den Dienst reicht ihrer Meinung nach eine E-Mail und "ideal ist das persönliche Gespräch."

Leitfaden vom Ministerium

Catrin Kurtz, die an einer Realschule in Bayern unterrichtet und auf sueddeutsche.de ein Blog über das Leben als Lehrerin schreibt sieht das Thema unkompliziert: "Ich schicke meinen Schülern keine Freundschaftsanfragen, ich nehme lediglich Anfragen von Schülern an. Warum auch nicht?" Catrin Kurtz schätzt die Möglichkeit auch spätabends erreichbar zu sein, wenn ein Schüler sein "Herz ausschütten will". Auch Jan Martin Klinge schreibt über seinen problemlosen Umgang mit dem Thema: "Über den Nutzen erfährt man wenig. Vielleicht, weil die wenigsten Lehrer sich damit beschäftigen (wollen?)".

Ist die Beteiligung an Facebook und Twitter pädagogisch fortschrittlich, eine Kontrolle der Eltern und Schüler - oder ist es ganz einfach eine private Entscheidung, die vom Dienst völlig getrennt ist? Die Welt der sogenannten sozialen Netzwerke hat die Schulen erreicht. Mit "Schülern befreundet sein"? Kommunikation außerhalb der schuleigenen Netzwerke? Datenschutz? Um den Verantwortlichen an den Schulen die Unsicherheit zu nehmen hat das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst einen "Leitfaden für Staatsbedienstete zum Umgang mit Sozialen Medien" vorgestellt.

Konkrete Hilfe oder gar eine Handlungsanweisung gibt es aus dem Kultusministerium nicht. Über den Einsatz von Twitter heißt es auf der Internetseite das bayrischen Kultusministeriums: "Die Kontaktaufnahme als "Follower" dürfte in beide Richtungen grundsätzlich unzulässig sein. Lehrkräfte sollten selbstverständlich nicht "Anhänger" ihrer Schülerinnen und Schüler sein, die sie zu erziehen und zu bewerten haben." Facebook als Kommunikationsmittel sieht man im Kultusministerium zumindest entspannter: "In Betracht kommt damit höchstens eine offene Gruppe, in der jede Freundschaftsanzeige von Schülerinnen und Schüler akzeptiert wird, um etwa einen einfachen Zugang zum Austausch zu allgemeinen oder schulrelevanten Informationen zu schaffen - und selbst dies ist angesichts der fehlenden allgemeinen Zugänglichkeit der Netzwerke für alle Schülerinnen und Schüler hoch problematisch."

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de//facebook-an-schulen
Weitere Beiträge zu den Themen: Whatsapp (8)Februar 2015 (7876)
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