Letzter Vulkanausbruch in Bayern ist viel jünger als bisher angenommen
Geologische Sensation in der Oberpfalz

Die Bohrung im erloschenen Vulkan bei Neualbenreuth ist inzwischen in 100 Meter Tiefe vorgedrungen. Von links Landrat Wolfgang Lippert, Ministerin Ulrike Scharf, Neualbenreuths Bürgermeister Klaus Meyer und Dr. Johann Rohrmüller bei der Analyse des Inhalts der Bohrkerne. (Bild: pz)
Neualbenreuth. (dpa) Es ist eine geologische Sensation. Der jüngste Vulkanausbruch in Bayern hat sich vor etwa 200 000 Jahren in der Oberpfalz ereignet. Bislang glaubten die Experten, dass es eine solche Eruption zuletzt vor 20 Millionen Jahren gab. Ein Radweg ist geplant.

Der jüngste Vulkanausbruch in Bayern hat sich damit weitaus später ereignet als bisher angenommen. Im Rahmen einer siebenwöchigen Untersuchung entdeckten Experten des Landesamtes für Umwelt im Landkreis Tirschenreuth vulkanische Überreste. «Das ist eine geologische Sensation. Die letzte massive Vulkanaktivität in Bayern liegt nur einen erdgeschichtlichen Wimpernschlag zurück», sagte Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) am Mittwoch in Neualbenreuth.

Der Vulkan soll mit Hilfe eines neu konzipierten Vulkan-Radwanderwegs den Menschen näher gebracht werden. «So wird die explosive Vergangenheit der Oberpfalz lebendig», betonte Scharf. Bisher wurde angenommen, dass die jüngsten vulkanischen Aktivitäten in der Oberpfalz 10 bis 20 Millionen Jahre zurückliegen.

Erdgeschichte der Oberpfalz wird neu geschrieben

«Wir werden die Erdgeschichte in der Oberpfalz neu schreiben müssen», sagte der Leiter des Geologischen Dienstes am Landesamt für Umwelt (LfU), Roland Eichhorn. Der Nachweis des jüngsten Ausbruchs in Bayern sei durch den Fund von Relikten vulkanischem Glases erfolgt.

«Zudem können wir die Klimageschichte seit der Steinzeit rekonstruieren», erläuterte Eichhorn. Anhand von Analysen des in 26 Metern gefundenen Pollenspektrums war das Gebiet zum Zeitpunkt der Eruption eine baumlose Kaltsteppe. In den folgenden 80.000 Jahren hatte sich die Gegend aufgrund einer Warmzeit in einen dichten Laub-Mischwald verwandelt. Es folgte wieder eine Eiszeit, in der der Neandertaler vom heutigen Menschen verdrängt wurde - auch der Wald verschwand wieder. Die heutige Landschaft mit Nadelwald und Moor entstand erst in den letzten 10.000 Jahren.

Bohrungen in bis zu 100 Meter Tiefe

Die Experten waren dem Naturphänomen in dem Waldgebiet an der Grenze zu Tschechien mit Hilfe von Bohrungen in bis zu 100 Meter Tiefe auf die Spur kommen. Zuvor waren die Geologen bei routinemäßigen Untersuchungen in dem Waldgebiet auf eine kreisrunde Struktur mit einem Durchmesser von etwa 300 Metern gestoßen. Dabei deutete auf den ersten Blick nichts auf einen Vulkan hin, von einem typischen Trichter war keine Spur zu erkennen.
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