Maibaumklau: Burschen vom "Wolframshofer Haisl" schlagen erneut zu
Ein Maibaum ist nicht genug

Ihre blau-weiß geringelte Beute feierten die Burschen vom "Wolframshofer Haisl" ausgelassen. Der Maibaum von Eisersdorf wird am Freitag, nachdem er beim Klau von der Decke einer Scheune hatte abgeseilt werden müssen, gegen Getränke und eine Brotzeit ausgelöst. Bild: spi

Der Maibaum von Eisersdorf ist weg - seit Samstagnacht. Der von Kemnath und Waldeck ebenfalls. Die Burschen vom "Wolframshofer Haisl" wollen mehr. Heuer sollen es sechs bis sieben Bäume werden.

Im Schatten einer Hecke schleichen 20 Burschen durchs nasse Gras. Es ist halb zwei Uhr nachts. Ihr Ziel, ein Schuppen in Eisersdorf bei Kemnath (Kreis Tirschenreuth). Langsam schieben sie das Tor auf, schlüpfen durch den Spalt. Es riecht nach Heu. Eine Stirnlampe blitzt auf, der Lichtkegel wandert einen blau-weiß-geringelten Stamm entlang. Da ist er, der Eisersdorfer Maibaum - gekettet an Holzbalken. In drei Meter Höhe baumelt er über Traktoren.

Sechs Stunden zuvor: Stefan Stich und Kevin Schraml sitzen mit Kumpels vor ihrem "Haisl", dem privaten Treff bei Wolframshof, zirka zehn Kilometer von Kemnath entfernt. Steaks brutzeln über dem Feuer. Neben den Bierbänken liegen drei blau-weiße Stämme auf der Wiese. Einer davon ist der 22 Meter lange Stamm aus Kemnath. Seit 2009 haben sie insgesamt 15 Bäume gestohlen. Heuer wollen sie ihren Rekord vom vergangenen Jahr - vier Maibäume - brechen. Zielmarke: sechs bis sieben. Nächste Orte: Lochau und Mockersdorf. Dass der Lochauer Baum bereits geklaut wurde, ahnen sie da noch nicht. Das merken sie erst vor Ort. "Das kann man halt nie wissen, ob es gleich klappt", bedauert Stich. "Wir haben aber noch Optionen: Altensteinreuth, Mockersdorf, Ramlesreuth, Trevesen, Eisersdorf." Die Wahl fällt auf Eisersdorf. "Der Baum war schnell zu finden, Eisersdorf hat nur vier oder fünf Schupfen."

Spanngurte als Werkzeug

Als der Erkundungstrupp wieder am "Haisl" ankommt, packen die anderen Burschen schon Stecken, Spanngurte und eine Leiter für die Aktion in Eisersdorf zusammen. Um 1 Uhr soll es losgehen. In Oberndorf holen sie zwei Anhänger-Achsen, auf denen der Baum von einem Auto gezogen werden soll. Danach fahren vier Wagen, besetzt mit je fünf Mann nach Eisersdorf.

Die Scheune ist schnell gefunden. Die Burschen quetschen sich an einem Traktor vorbei, einer hält vor dem Tor Wache. Schraml steigt auf die Leiter, wickelt Spanngurte um den Baum und zurrt sie fest. Das andere Ende wirft er über die Balken. So wollen sie den schweren Stamm abseilen. Zuvor müssen sie ihn von den Ketten lösen, an denen er am Balken hängt. Deshalb stemmen sie ihn mit Holzstangen, sogenannten Schwalben, hoch. Die Männer stöhnen. Das Gewicht wiegt schwer. Felix Walther löst die Ketten.

Erst hinter Ortsschild sicher

Im Flüsterton gibt Schraml Anweisungen. Die Balken knarzen, der Spanngurt reibt am Holz. Langsam schwebt der Stamm Zentimeter für Zentimeter nach unten. Plötzlich ein Ruf: "Pst, draußen war ein Geräusch, seid leise." Für einige Minuten rührt sich niemand. Dann Entwarnung. Auf der Straße wartet das Gespann. Die Männer schleppen den Stamm aus der Scheune hinaus, den Hang hinunter und befestigen ihn mit Spanngurten auf den Achsen.

Ein Taxi fährt vorbei. Der Beifahrer schreit aus dem Fenster: "Ihr Maibaum-Diebe." Alle grinsen. Aber nur kurz. Der Baum ist erst sicher, wenn er sich jenseits des Ortsschildes befindet. Vor und hinter dem Transportgespann fahren Autos mit Warnblinklicht. Die Karawane zieht sich mitten durch das Dorf. Die schlafenden Eisersdorfer bekommen nichts mit. Die Spannung steigt - nur noch wenige Meter bis zum Ortsschild. Und dann sind alle erleichtert.

Als sie den Baum stolz zu den anderen drei Exemplaren tragen, ist es fast 3 Uhr nachts. "Hier sind mehrere Autos vorbeigefahren. Ich glaub, da wollte jemand unsere Bäume mitnehmen", berichtet Stich. Er ist bei der Hütte geblieben, um die Beute zu überwachen. Alle stoßen auf ihre Trophäen an. Stich schaut auf sein Handy: "Was ist jetzt noch mit Mockersdorf?", fragt er. Am Sonntag gegen 8 Uhr lag auch dieser Maibaum neben dem "Haisl". (Hintergrund)

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/maibaumklau
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