Martyrium in den Ferien

Der Prozess vor dem Verwaltungsgericht in Gera dürfte sich langwierig gestalten. Bislang sind 14 Verhandlungstage eingeplant. Bild: dpa

Die neunjährige Leila aus Rothenburg ob der Tauber hat ihren Ferienbesuch bei Verwandten in Thüringen nicht überlebt. Das Kind wurde so schwer misshandelt, dass es starb. Drei angeklagte Angehörige schweigen vor Gericht.

Ihre letzten Sommerferien müssen für die neunjährige Leila aus Bayern ein einziges Martyrium gewesen sein. "Das Kind war in einem erbärmlichen Zustand", sagt Staatsanwalt Jens Wörmann am Mittwoch im Landgericht im thüringischen Gera. Fotos und Videos zeigten "riesige Hämatome", eindeutige Spuren von Misshandlungen. Am Ende starb Leila in einer Wohnung in Jena nach heftigen Tritten in den Bauch. Seit Mittwoch stehen deswegen Leilas Großmutter und ihre Tante sowie deren Lebensgefährte vor dem Landgericht Gera - und schweigen.

Tödliche Tritte

Das Kind war zu Besuch bei den Verwandten in Thüringen. Am Abend des 3. September 2014 habe der 24-Jährige das Mädchen schließlich heftig in den Bauch getreten. Leilas Bauchspeicheldrüse riss. Sie verblutete innerlich. Am nächsten Morgen war sie tot. Totschlag und schwerer sexueller Missbrauch von Kindern lautet die Anklage gegen den vorbestraften Gewalttäter. Im Ermittlungsverfahren bestritt er die Vorwürfe.

Leilas 49 Jahre alte Großmutter und die 22 Jahre alte Tante, Lebensgefährtin des mutmaßlichen Haupttäters, wussten nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft von den Misshandlungen, unternahmen jedoch nichts. Die 22-Jährige soll am Abend der tödlichen Tritte in der Plattenbau-Wohnung in Jena-Lobeda gewesen sein. "Sie konnte und musste erkennen, dass das Kind ärztliche Hilfe benötigt. Doch sie überließ das Kind sich selbst", sagt Staatsanwalt Wörmann. Beide Frauen sind wegen Misshandlung Schutzbefohlener durch Unterlassen sowie unterlassener Hilfeleistung angeklagt.

Alle drei Angeklagten betreten den Gerichtssaal vermummt und verschleiert, halten sich zusätzlich Papier vors Gesicht. Sie geben ihre Personalien zu Protokoll - und hüllen sich danach in Schweigen. Ihre Mandanten wollten derzeit keine Angaben machen, erklären die Anwälte. Die 4. Strafkammer des Landgerichts hat sich auf eine langwierige Beweisaufnahme eingestellt. Bis Ende August sind noch 14 Verhandlungstage geplant, an denen aufgeklärt werden soll, was mit Leila zwischen dem 1. August und dem 4. September 2014 geschehen ist.

Eltern leiden

Am nächsten Prozesstag am 1. Juni sollen unter anderem Leilas leiblicher Vater aus Thüringen sowie ihre Mutter befragt werden. Beide treten in dem Prozess als Nebenkläger auf, sind aber am Mittwoch nicht da. Die Mutter lebte mit Leila und ihrem neuen Partner in Rothenburg ob der Tauber. Sie gab ihre Tochter in den Sommerferien in die Obhut ihrer Verwandten - und sah ihr Kind nicht lebend wieder. Ihre Anwältin Stefanie Biewald will nichts weiter dazu sagen, wie es der Frau derzeit geht. Die Juristin sagt nur: "Sie leidet natürlich, das ist klar."
Weitere Beiträge zu den Themen: Weltgeschehen (20753)Mai 2015 (7904)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.