Massaker erschüttert die Welt: Frankreich erklärt IS den Krieg

Frankreich hat nach der schlimmsten Terrorserie in der Geschichte des Landes dem islamischen Terrorismus den Krieg erklärt. Präsident François Hollande sprach von einem "Kriegsakt" des IS und kündigte "angemessene Entscheidungen" an. Er will den Ausnahmezustand auf drei Monate verlängern, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP. Auch Premierminister Manuel Valls sagte am Samstagabend dem Sender TF1: "Ja, wir sind im Krieg."

Bei der beispiellosen Anschlagsserie der drei Terrorkommandos waren am Freitag mindestens 129 Menschen getötet worden, gut 350 wurden teils schwer verletzt. Unter den Toten ist mindestens ein Deutscher. Die Massaker waren nach Ermittlungen eine Aktion der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Als Reaktion hat die französische Luftwaffe am Sonntag die IS-Hochburg Al-Rakka in Syrien massiv bombardiert. Das berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf das französische Verteidigungsministerium. Frankreich fliegt bereits seit September 2014 als Teil einer von den USA geführten Koalition Angriffe gegen IS-Stellungen im Irak. Seit September 2015 bombardierte Frankreich mehrfach auch IS-Positionen in Syrien.

Verdächtiger auf der Flucht

Die Terroristen wollten auch ein Blutbad vor laufenden Kameras während des Länderspiels Frankreich gegen Deutschland anrichten. Sport-Staatssekretär Thierry Braillard bestätigte, dass die Attentäter in das Stade de France eindringen wollten. Dort saßen fast 80 000 Zuschauer.

Nach den Terrorakten ist mindestens noch ein Verdächtiger auf der Flucht. Die belgische Justiz schrieb den 26-Jährigen am Sonntag international zur Fahndung aus. Befürchtet wird, dass eine ganze Gruppe abgetaucht sein könnte. Sieben Attentäter starben bei den Anschlägen. Über drei dieser sieben Angreifer wurden erste Details bekannt. Einer war ein französischer Kleinkrimineller, zwei Attentäter sind womöglich als Flüchtlinge getarnt eingereist.

In Deutschland wurden die Sicherheitsmaßnahmen deutlich verschärft. Am Freitagabend hatten drei Terrorkommandos an sechs Orten in der französischen Hauptstadt nahezu gleichzeitig zugeschlagen. Sie schossen wahllos auf Menschen in Restaurants, in der Konzerthalle "Bataclan" und sprengten sich während des Länderspiels Frankreich gegen Deutschland in der Nähe des Stadions in die Luft. Die Angreifer benutzten Kalaschnikow-Sturmgewehre und trugen Sprengstoffwesten. Der bei den Terroranschlägen getötete Deutsche stammt aus München. Der 28-Jährige habe in einem der beschossenen Cafés auf der Terrasse gesessen, berichtete ARD-Korrespondent Mathias Werth unter Berufung auf die deutsche Botschaft in Paris. Unklar blieb, ob es weitere deutsche Opfer gab. Einer der identifizierten "Bataclan"-Attentäter war ein polizeibekannter Islamist mit französischem Pass. Im "Bataclan" hatten die Angreifer während eines Konzerts fast 90 Menschen getötet.

Syrischer Pass gefunden

Bei den Überresten eines der Selbstmordattentäter vom Stade de France wurde ein syrischer Pass gefunden. Ioannis Mouzalas, stellvertretender griechischer Minister für Migrationspolitik, bestätigte am Sonntagabend, es handele sich um den Ausweis eines 25-Jährigen, der am 3. Oktober auf der griechischen Insel Leros angekommen und als Flüchtling registriert worden war. Offen ist bislang, ob der Attentäter tatsächlich auch der Inhaber des Passes war, oder ob er das Dokument gestohlen hatte.

Spuren nach Belgien

Erneut steht Belgien im Fokus der Ermittler. Zwei der getöteten Attentäter lebten zuletzt im Großraum Brüssel. Es handele sich um Personen mit französischem Pass, wie die Brüsseler Staatsanwaltschaft mitteilte. Bei einer Razzia im Brüsseler Einwanderer-Stadtteil Molenbeek wurden am Samstagabend sieben Menschen festgenommen.

Die Staats- und Regierungschefs der EU haben für heute um 12 Uhr alle Europäer zu einer Schweigeminute aufgerufen. "Das Gute ist stärker als das Böse", erklärten sie in einer gemeinsamen Stellungnahme mit den EU-Institutionen. Die Anschläge von Paris würden als an Angriff gegen alle EU-Staaten gewertet. Rätsel gibt ein Mann aus Montenegro auf, der vor gut einer Woche von der Polizei in Oberbayern mit Maschinenpistolen, Handgranaten und Sprengstoff im Auto gestoppt wurde. Angeblich war er damit auf dem Weg nach Paris. Ein Zusammenhang mit den Anschlägen wird geprüft.
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