Massenandrang auf der Balkanroute

In der mazedonischen Stadt Gevgelija an der Grenze zu Griechenland spielten sich am Wochenende dramatische Szenen ab. Hunderte Menschen versuchten zum Teil mit Gewalt, einen Platz in den überfüllten Zügen in Richtung Serbien zu ergattern. Bild: dpa

Chaos und Verzweiflung: Die Lage für Flüchtlinge spitzt sich vielerorts in Europa dramatisch zu. Auf der Balkanroute explodieren die Migrantenzahlen. Und im Mittelmeer gibt es wieder viele Tote.

Neuer Brennpunkt in der Flüchtlingskrise: Immer mehr Menschen aus Syrien, Afghanistan und Pakistan wollen über die sogenannte Balkanroute nach West- und Nordeuropa gelangen. Im griechisch-mazedonischen Grenzgebiet kommen täglich 2000 Migranten an, doppelt so viele wie noch vor einer Woche. Mazedoniens Behörden kapitulierten praktisch vor dem Andrang. Helfer führen das auf Pläne Ungarns zurück, seine EU-Außengrenze bis Ende August mit einem Stacheldraht abzuriegeln.

Auf der griechischen Ägäis-Insel Kos, wo Flüchtlinge teils auf der Uferpromenade campieren, sich nicht waschen können und zu wenig Essen und Trinken haben, gab es Hoffnung auf etwas Entspannung. Am Sonntag lief ihre Unterbringung an Bord einer Fähre an. Mehr als 300 Menschen wurden auf der "Eleftherios Venizelos" einquartiert. Das Schiff soll bis zu 2500 Flüchtlingen für etwa zwei Wochen provisorisch Unterkunft bieten.

Auf Kos entschieden die Behörden, dass nur Syrer auf das Fährschiff dürfen. Damit soll verhindert werden, dass Streitigkeiten zwischen Flüchtlingen verschiedener Nationalitäten ausbrechen. Am Samstag hatten sich etwa 50 Afghanen, Iraker und Pakistaner eine Massenschlägerei vor der Polizeistation von Kos geliefert. Unterdessen spielte sich im Mittelmeer ein neues Flüchtlingsdrama ab: Mindestens 50 Flüchtlinge sind vermutlich im Laderaum eines Fischerbootes erstickt. Mehr als 300 Menschen seien gerettet worden, teilte Italiens Marine am Samstag mit.

Merkel für EU-Standards

Bundeskanzlerin Angela Merkel will die Festlegung sogenannter sicherer Herkunftsstaaten zur schnelleren Bearbeitung von Asylanträgen auf die europäische Ebene heben. Die EU-Staaten bräuchten in dieser Frage "gemeinsame Einschätzungen", sagte sie im ZDF-"Sommerinterview". Auch die Asylstandards müssten endlich angeglichen werden.

Angesichts des zunehmenden Flüchtlingsandrangs mehren sich parteiübergreifend Forderungen, nach Serbien, Bosnien-Herzegowina und Mazedonien auch den Kosovo, Albanien und Montenegro zu sicheren Herkunftsländern zu erklären. Auch mehrere SPD-Spitzenpolitiker machten sich am Wochenende dafür stark. "Bei uns gibt es Schutz vor Krieg und Verfolgung, nicht aber einen Anspruch auf Arbeitsmigration", sagte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann.

Sachleistungen statt Geld

Von den Kommunen kam Unterstützung für den Vorstoß von Innenminister Thomas de Maizière, die Geldleistungen für Asylbewerber zu überdenken. De Maizière hatte - mit Blick auf das Bundesverfassungsgericht - gesagt, Deutschland könne die Leistungen für Asylbewerber zwar nicht beliebig reduzieren. "Aber wir können mehr Sachleistungen machen, wir können uns das Taschengeld genauer anschauen."
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