Massive Vorwürfe der Gewerkschaft - Bäcker-Innung: Informationspolitik verdirbt das ...
"Horror-Katalog" nur die "halbe Wahrheit"

(cf) Einen wahren "Horror-Katalog" beschwört die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) für die rund 800 Bäcker und Verkäuferinnen in der Nordoberpfalz. Die bayerische Bäcker-Innung kündigte nämlich den Tarifvertrag aus dem Jahre 2006. Für die NGG listet der für die Oberpfalz verantwortliche Geschäftsführer Rainer Reißfelder die Forderung der "Bäcker-Chefs" auf: komplette Streichung des Urlaubsgelds von bis zu 142 Euro, Ausweitung der Sonntagsarbeit, Verdoppelung der Probezeit von drei auf sechs Monate - und von 30 Urlaubstagen sollen bis zu zehn Tage mit einzelnen Krankentagen verrechnet werden.

Reißfelder spricht von einer "enormen Zumutung" für die Beschäftigten. Man könne nicht die Tradition im Bäcker-Handwerk hochhalten und gleichzeitig Fachkräfte durch schlechte Arbeitsbedingungen verkraulen. Der "Gipfel" sei die geplante Verrechnung des Urlaubs mit den Krankheitstagen. NGG-Geschäftsführer Reißfelder fordert die Arbeitgeber auf, "ihre Angriffe zurückzunehmen und sich lieber Gedanken zu machen, wie man gemeinsam die Arbeitsbedingungen in der Branche verbessern und damit gutes Fachpersonal gewinnen kann".

Die Arbeitgeber reagieren am Donnerstag prompt. "Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten verdirbt mit ihrer Informationspolitik das Verhandlungsklima," erwidert Heinz Hoffmann, Landesinnungsmeister des bayerischen Bäckerhandwerks. Er betrachtet die "aggressive Vorgehensweise" der NGG mit völligem Unverständnis.

Gegenüber unserer Zeitung betont der Hauptgeschäftsführer des Bäcker-Landesinnungs-Verbands Bayern, Dr. Wolfgang Filter (München): "Die NGG sagt nur die halbe Wahrheit." Zur Verdoppelung der Probezeit: "Auch die gesetzliche Probezeit beträgt sechs Monate." Das Urlaubsgeld werde nicht gestrichen, sondern komplett in die betriebliche Altersvorsorge überführt. "Vielleicht legen wir sogar noch was drauf." Die "gewisse Anrechnung" von Krankheitstagen - etwa nach einer Quote - auf den Urlaub betreffe nur Einzelfälle.

10 freie Sonntage

Zur Sonntagsarbeit: Das Arbeitszeitgesetz sehe 15 freie Sonntage im Jahr vor, gestatte aber den Tarifparteien abweichende Regelungen. Dr. Filter: "Dieses Klausel wollen wir öffnen. 10 freie Sonntage sind sowieso gesetzlich vorgeschrieben." Außerdem könne hier eine Neuregelung nur auf einer einvernehmlichen Basis im Betrieb erfolgen. Hauptgeschäftsführer Dr. Filter begründet die Kündigung des Manteltarifvertrags von 2006 mit dessen "Aushöhlung durch Gerichtsurteile zu Lasten der Arbeitgeber".
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