Mehr Fahrgäste, aber auch mehr Betriebskosten - Bewerbung um Sonderförderung
Baxi am Start für Modellprojekt

Flächendeckend im Landkreis verteilt sind die Haltestellen für Baxis. Immer mehr Bürger nutzen das Anruf-System. Im Juli beispielsweise waren es im Schnitt täglich 75 Fahrgäste. Bild: Grüner
Tirschenreuth. (as) Es ist paradox: Die Fahrgastzahlen auf den Baxi-Linien steigen. Damit wachsen zwar die Einnahmen, aber noch mehr die Betriebskosten. Der Landkreis will dagegensteuern und bewirbt sich um eine erneute Sonderförderung.

"Das Baxi ist ein Draufzahlgeschäft", stellte Landrat Wolfgang Lippert unumwunden fest. "Je mehr Leute fahren, desto mehr Kosten entstehen dem Landkreis." Im Kreisausschuss stand eine Zwischenbilanz des Pilotprojekts auf der Tagesordnung. Peter Zimmert gab durchaus erfreuliche Zahlen bekannt: Im Januar nutzten noch 1653 Fahrgäste das Angebot, im Juli waren es schon 2343.

Defizit steigt

"Die Zahlen steigen von Monat zu Monat", kommentierte der Sachbearbeiter die Entwicklung. "Allerdings steigen damit auch die Betriebskosten. Die im Haushalt vorgesehenen Mittel von 440.000 Euro werden nicht ausreichen. Bis zum Jahresende ist mit Kosten von 550.000 Euro zu rechnen." Abzüglich der speziellen Baxi-Förderung durch den Freistaat bleibt dem Landkreis ein Defizit von 320.000 Euro - mindestens.

Um die Kosten des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) zu senken, haben die Kreisräte schon den Rotstift angesetzt. Der defizitäre Radlbus wurde ab 2015 ersatzlos gestrichen. Auch gab es spürbare Einschnitte bei den Ausgaben für Marketing.

Keine Doppelförderung

Diese Einsparungen in Höhe von 100.000 Euro sollten eigentlich das Defizit der Baxi-Linien senken, doch diese Rechnung geht nicht auf: Mit dem Hinweis auf eine Doppelförderung stellt sich die Regierung hier quer. "Um eine Teilrückzahlung von rund 65.000 Euro der ÖPNV-Zuweisungen zu vermeiden, müssten wir noch 100.000 Euro ausgeben", rechnete Peter Zimmert die Auswirkungen der Förderrichtlinien vor. Die Zuweisungen dürften nicht zur Senkung des Defizits für ein anderweitig gefördertes Projekt verwendet werden.

Prompt forderte Hans Donko (CSU), dann den Radlbus wieder einzuführen. "Wir haben Geld gespart und bekommen weniger Zuweisungen. Wir haben eine touristische Leistung beschnitten und zahlen dafür auch noch", empörte er sich. Landrat Lippert sah für den herkömmlichen Radlbus jedoch keine Chance mehr. Bei 60 Euro Defizit pro Fahrgast sei die moralische Hemmschwelle einfach zu hoch.

Toni Dutz (CSU) fand die Argumentation der Regierung "unmöglich" und forderte mehr Flexibilität. Gerade in einer demografischen Beispielregion wie dem Landkreis Tirschenreuth sei es wichtig, auch mal über seinen Schatten zu springen.

Wie auch immer: Die Ausgaben für den Personennahverkehr werden weiter steigen. Deshalb bewirbt sich der Landkreis auch im bundesweiten Modellvorhaben "Langfristige Sicherung von Versorgung und Mobilität im ländlichen Raum". Das beschloss der Kreisausschuss einstimmig, nachdem die Verwaltung schon die Vorarbeit für das Konzept geleistet hat. Insgesamt 15 Regionen in Deutschland kommen in den Genuss von jeweils bis zu 350.000 Euro für zweieinhalb Jahre. Start soll bereits im Januar 2016 sein. Zwar hat der Landkreis 90 ebenfalls ausgewählte Konkurrenten - allein in Bayern sind es 13 - doch verspricht man sich durch das bereits laufende Baxi-Projekt einen Vorteil.

Alle Fraktionen dafür

Unabhängig von den Erfolgsaussichten im Bundeswettbewerb bekräftigten alle Fraktionen ihre weitere Unterstützung für die Kombination aus Anrufbus und Taxi. "Wir lassen uns dieses Baxi nicht mehr wegnehmen", sagte SPD-Sprecher Rainer Fischer. "Das müssen wir uns leisten können."
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