Mehr Flexibilität für Familien

Mittagessen an einer Schule in Amberg. Ab dem kommenden Schuljahr soll es mehr Ganztagsangebote für bayerische Schüler geben. Archivbild: Huber

Die Opposition spricht von einem längst überfälligen Schritt. Vom kommenden Schuljahr an wollen Staatsregierung und Kommunen deutlich mehr Ganztagsangebote für bayerische Grund- und Förderschüler schaffen.

In einer Pilotphase mit bayernweit bis zu 300 Gruppen wird in den Jahrgangsstufen 1 bis 4 ein "offener Ganztag" in Kooperation von Schule und den Trägern der Kinder- und Jugendhilfe eingerichtet. Das Angebot steht werktäglich bis 18 Uhr und auch in den Ferien zur Verfügung. Allerdings müssen Eltern für die Zeit nach 16 Uhr, für den Freitagnachmittag und die Ferientage einen je nach Ort und Angebot gestaffelten Eigenanteil leisten. Ansonsten ist das schulische Ganztagesangebot mit Ausnahme der Mittagsverpflegung kostenlos.

Wahlrecht bleibt bestehen

Bis 2018 soll das Angebot in ganz Bayern bedarfsgerecht ausgebaut werden, die jährlichen Kosten für den Freistaat könnten sich dann auf bis zu 160 Millionen Euro summieren. Das Wahlrecht zwischen Halbtagesschule und Ganztagesangeboten bleibt bestehen.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sprach bei der Unterzeichnung der Vereinbarung mit den kommunalen Spitzenverbänden von einem "Meilenstein in der Geschichte der bayerischen Schulpolitik". Damit gebe es in keinem anderen Land ein "derart reichhaltiges Angebot für die vielfältigen Lebensmodelle der Familien". Erfreulich sei vor allem, dass es gelungen sei, die Tagesrand- und Ferienzeiten in das Modell zu integrieren. "Wir kommen damit dem Wunsch vieler Familien nach mehr Flexibilität und Vielfalt in der Kinderbetreuung nach", sagte Seehofer. Freistaat und Kommunen setzten ein "starkes Signal für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf".

Städtetagspräsident Ulrich Maly (SPD) würdigte das Modell: "Ein Angebot, wie wir es uns gewünscht haben." Möglich geworden sei dies aber nur, weil der Freistaat mehr Geld zur Verfügung stelle. Maly sprach von einem "ersten Schritt", da zunächst nur wenige Hundert der 2750 Grund- und Förderschulen in Bayern von dem Angebot profitieren könnten.

Grüne: Reine Notlösung

Nach Einschätzung von Gemeindetagschef Uwe Brandl (CSU) wird die Umsetzung des Konzepts für die Kommunen eine "sportliche Aufgabe". Es müssten Raumkonzepte erstellt und geeignete Mitarbeiter rekrutiert werden. Ziel sei es, für jeden Ort "passgenaue Angebote zu entwickeln". Für die Landkreise erklärte Verbandschef Christian Bernreiter (CSU), bedarfsgerechte Ganztagesangebote seien für den ländlichen Raum ein wichtiger Faktor. "Familie und Beruf miteinander vereinbaren zu können, hält Menschen und Arbeitsplätze vor Ort", sagte er.

SPD-Fraktionsvize Simone Strohmayr nannte den Beschluss einen "allerersten Schritt". Für die große Mehrheit der Kinder und Familien ändere sich zunächst nichts. Um den weiteren Ausbau zu beschleunigen, forderte sie einen Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung. Als "reine Notlösung" bezeichnete Thomas Gehring (Grüne) das Vorhaben. Es räche sich nun, dass die Staatsregierung für einen rascheren Ausbau nicht genügend Geld in den Haushalt eingestellt habe.
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