Mehr Sicherheit für Spender

Nach den Organspendeskandalen in Göttingen und anderswo ist die Spendenbereitschaft in Deutschland drastisch gesunken. Im ersten Quartal 2015 ist sie erstmals wieder leicht angestiegen. Bild: dpa

Der Prozess um den Organspende-Skandal von Göttingen geht heute zu Ende. Schon vor dem Urteil gegen einen Transplantationsmediziner steht fest: Manipulationen, wie sie dem Angeklagten vorgeworfen werden, sind heute kaum noch möglich.

Der Skandal um manipulierte Patientendaten an der Uniklinik Göttingen erschütterte das Vertrauen in die Organspende. Politik und Ärzteschaft waren gleichermaßen entsetzt, als im Sommer 2012 bekannt wurde, dass ein Leberchirurg, der zuvor auch in Regensburg gearbeitet hatte, seine Patienten auf dem Papier kranker gemacht haben soll, als sie waren. Er wollte so schneller an Spenderorgane kommen. Seit August 2013 steht der 47-jährige Medizinprofessor vor Gericht. Ihm wird versuchter Totschlag in elf und Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen vorgeworfen. Nach mehr als 60 Verhandlungstagen soll heute das Urteil gefällt werden.

Reformen bewirkt

Schon vor dem Start des Mammutprozesses und unabhängig von dessen Ausgang hat der Göttinger Skandal eine Reihe von Reformen bewirkt. Unter anderem entscheidet heute ein Team und nicht mehr nur ein Arzt, welcher Patient für die Organ-Warteliste der zentralen Vermittlungsstelle Eurotransplant gemeldet wird.

Der Vorsitzende der Ständigen Kommission Organtransplantation bei der Bundesärztekammer, Hans Lilie, ist überzeugt: "Kein Chirurg wird mehr Manipulationen wagen. Er würde damit das Leben der Patienten aufs Spiel setzen. Er weiß auch, dass damit seine Karriere zu Ende wäre." Eine Prüfungs- und Überwachungskommission von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen kontrolliert seit Aufdeckung der Tricksereien alle deutschen Leber-, Herz- und Nierenzentren. Bei den Kontrollen kamen Unregelmäßigkeiten an Kliniken in München und Leipzig sowie am Berliner Herzzentrum ans Licht.

Der Göttinger Prozess könnte richtungsweisend für Verfahren andernorts sein. Der Ausgang ist ungewiss: Während die Staatsanwaltschaft acht Jahre Haft für den ehemaligen Leiter der Göttinger Transplantationschirurgie forderte, plädierte die Verteidigung auf Freispruch. Der 47-Jährige streitet die Vorwürfe ab. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, hält die Reformen im Transplantationssystem für nicht weitreichend genug. "So gibt es für Patienten keinen verbindlichen Rechtsweg, um Wartelisten-Entscheidungen überprüfen zu lassen", kritisiert der Patientenschützer.

In der Folge des Skandals brachen die Spenderzahlen dramatisch ein. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) gab es 2012 bundesweit 1046 Organspenden. 2013 waren es nur noch 876, im vergangenen Jahr 864 - jeweils ohne Lebendspenden. Im ersten Quartal dieses Jahres gibt es laut DSO erstmals wieder einen leichten Anstieg der Spenderzahlen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Bundesweit warteten Ende April 10 461 Menschen in Deutschland auf ein lebensrettendes Organ.
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