Mensch-Computer-Interaktion auch in der Oberpfalz Forschungsthema
Sie weiß, was er will

Amberg.Sie (die Maschine) weiß, was er (der Mensch) will: Mensch und Maschine sind getrennte "Systeme". Der Mensch sagt, was die Maschine tun oder lassen soll. In der Realität "nähern" sich Mensch und Maschine an, "verstehen" sich gegenseitig immer besser. Möglich gemacht haben dies Internet und moderne Computertechnik. Ein Wegbereiter der Mensch-Maschine-Interaktion in der Oberpfalz ist die Ostbayerische Technische Hochschule (OTH).

In Lehre und Forschung befasst sich etwa Professor Dr. Dieter Meiller am Hochschulstandort Amberg mit dem Thema: "Computer verstehen immer leichter, was wir wollen. Und umgekehrt: Dem Menschen wird es immer leichter gemacht, Computer und Maschinen zu bedienen. Das kann zum Beispiel im Privatbereich mehr Komfort bedeuten und in der Wirtschaft handfeste Kostenvorteile bringen."

Industrieanwendungen

Beispiel Maschinensteuerung. Hochschullehrer Meiller arbeitet bereits seit mehreren Jahren mit dem Oberpfälzer Wellpappen-Anlagen-Hersteller BHS Corrugated in Weiherhammer zusammen. "Wir entwickeln mit dem Unternehmen etwa Programme und Benutzeroberflächen, die die Steuerung von Wellpappe-Maschinen erleichtern. Dabei geht es um die Visualisierung bestimmter Maschinenzustände genauso wie um die Steuerung der Anlage mit mobilen Geräten. Das heißt, Sie müssen gar nicht mehr vor Ort sein, um die Anlage in Gang zu setzen und zu kontrollieren." Im Mittelpunkt steht, die Bedienung der Maschine zu erleichtern, vielleicht gar ein intuitives Verständnis zu erlangen: "Maschinen werden von Ingenieuren erdacht, die oft ein hervorragendes Produkt schaffen, aber sich nicht unbedingt in den Anwender hineindenken können. Der ist aber nicht immer derselbe, ein Fertigungsleiter benötigt von der Maschine unter Umständen ganz andere Informationen als ein Maschinenführer, der mithin auch noch in einer völlig anderen Umgebung tätig ist, an einem Ort, an dem es vielleicht sehr heiß oder völlig dunkel ist. Vielleicht trägt er auch Arbeitshandschuhe, mit denen er keine kleinen Tasten bedienen kann." So gebe es bereits heute dank leitfähiger Textilien auch "Blaumänner" mit integrierten Computern, so dass der Arbeiter die Hände frei habe.

Einen Siegeszug tritt derweil die Mensch-Maschine-Interaktion in der Haustechnik an. Spielfreudige Zeitgenossen, die vom Smartphone aus ihre heimische Heizung steuern oder die Klimaanlage anwerfen, sind keine Seltenheit mehr. "Viele Geräte sind bereits heute auf diese Steuerungen ausgelegt, wer aber automatisierte Abläufe hinterlegen will, muss diese meist umständlich konfigurieren. Das macht niemanden Spaß." Meiller will es daher noch bequemer: "Mit einer Münchner Firma zusammen haben wir Algorithmen entwickelt, die Verhaltensmuster von Menschen in ihrer häuslichen Umgebung abbilden. Dabei wurde zum Beispiel empirisch ermittelt, wann Probanden in welchen Räumen technische Geräte ein- oder ausschalteten und welche Vorlieben die Menschen haben. Soll etwa das Radio abgeschaltet werden, wenn der Fernseher läuft? Soll die Garage vorgeheizt werden, wenn ich morgens in die Arbeit fahre? Bei diesem Ansatz geht es also um Datenerfassung, auch um Big Data, wenn man so will. Mit diesen Daten können die Gewohnheiten der Menschen dann nachempfunden und die Abläufe nach Nutzerwünschen vorherbestimmt werden, und zwar ohne umständlichen und zeitraubenden Konfigurationsaufwand."

Die Zukunft hat begonnen

Was wird die Zukunft bringen? Werden Maschinen unsere Wünsche erahnen, werden Gedanken genügen, um Geräte ein- und auszuschalten? Werden wir uns ein Produkt "erdenken" können, das der 3-D-Drucker dann stante pede produziert? Professor Dr. Meiller: "Wissen Sie, schon vor Jahren schon hat man gesagt, wir würden bald zum Mars fliegen. Das haben wir immer noch nicht geschafft. Stattdessen kam zum Beispiel das Internet, das eine ganz andere Zukunft herbeiführte als die vorhergesagte. Nein, in die ferne Zukunft blicken können wir nicht, aber dass solche Dinge, wie die Google-Glass oder die Apple-Watch, Exo-Skelette oder Brain-Computer-Interfaces schon morgen unseren Alltag verändern werden, steht außer Frage."
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