Menschen mit Behinderung sind in besonderem Maße auf Schutz und Solidarität angewiesen
Hilfen für Familien mit behindertem Kind

Familien mit einem von Behinderung betroffenem Kind leben in einer besonderen Situation. Sie erfüllen ihre Aufgaben verantwortungsvoll und mit großer Selbstverständlichkeit.

Gleichzeitig bedeutet dies für die Familien jedoch auch oft ein deutlich niedrigeres Familieneinkommen (oft kann die Mutter nicht berufstätig sein) und besonders hohe finanzielle Belastungen.

Je nach Art und Schwere der Behinderung ihres Kindes bedürfen diese Familien unterschiedlicher Hilfe. Um sie zu unterstützen, wurden eine Vielzahl von Regelungen getroffen.

Voraussetzung dafür, dass Menschen mit Behinderung die ihnen zustehenden Nachteilsausgleiche und Rechte geltend machen können, ist zunächst, dass sie als behindert gelten bzw. der Schweregrad ihrer Behinderung festgestellt wird.

Die jeweils zuständige Regionalstelle des Zentrums Bayern Familie und Soziales stellt auf Antrag betroffener Personen das Vorliegen einer Behinderung und den Grad der Behinderung (GdB) sowie unter Umständen weitere gesundheitliche Merkmale (Merkzeichen) für die Inanspruchnahme von Nachteilsausgleichen fest.

Beträgt der Grad der Behinderung wenigstens 50, erhält der Antragsteller einen Schwerbehindertenausweis, auf dessen Rückseite gegebenenfalls die zustehenden Merkzeichen eingetragen sind.

Leistungen zur Teilhabe

Zur Eingliederung von Menschen mit Behinderung werden eine Reihe von Leistungen zur Teilhabe gewährt:

Leistungen zur medizinischen Rehabilitation: unter anderem ärztliche und zahnärztliche Behandlung, Arzneimittel, Heilmittel (einschließlich beispielsweise Krankengymnastik, Bewegungs-, Sprach- und Beschäftigungstherapie) oder Hilfsmittel wie beispielsweise Seh- und Hörhilfen;

Leistungen zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft: unter anderem Hilfen zur Entwicklung der geistigen und körperlichen Fähigkeiten vor Beginn der Schulpflicht sowie zu angemessener Schulbildung einschließlich der Vorbereitung hierzu;

Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben: unter anderem Berufsfindung, Berufsvorbereitung, Ausbildung;

Unterhaltssichernde und andere ergänzende Leistungen: unter anderem Übergangs- und Krankengeld, Berufsförderung, Behindertensport, Haushaltshilfe, Steuerbefreiung/-erleichterung.

Zuständig für Leistungen zur Teilhabe sind je nach Art der Leistungen gesetzliche Kranken-, Unfall- und Rentenversicherungsträger, Arbeitsämter, Träger der sozialen Entschädigung (Zentrum Bayern Familie und Soziales, Bezirke, Landratsämter, kreisfreie Städte), Träger der öffentlichen Jugend- und Sozialhilfe sowie die Integrationsämter und die Hauptfürsorgestellen bei den Regierungen.

Hilfe bei der Klärung, welcher Rehabilitationsträger zuständig ist, bieten die Servicestellen der Rehabilitationsträger vor Ort.

Schulen für Kindermit Behinderung

Kinder mit Behinderung können (gegebenenfalls mit Unterstützung der Förderschulen) an Regelschulen unterrichtet werden. Insbesondere seit dem Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention wird versucht, Kinder mit Behinderung nicht mehr nur an reinen Förderschulen unterzubringen, sondern unter dem Aspekt der "Inklusion" ein gemeinsames lernen von Kindern mit und ohne Behinderung zu ermöglichen.

Können sie am Unterricht in den allgemeinen Schulen auch mit Unterstützung nicht teilnehmen, besuchen sie eine für sie geeignete öffentliche oder private Schule für Behinderte.

Volks- und Berufsschulen für Menschen mit Behinderung sind nach Behinderungsarten bzw. Förderschwerpunkten gegliedert.

Tagesstätten

Kinder und Jugendliche mit Behinderung können folgende Formen der Tagesbetreuung in Anspruch nehmen:

Integrative Kinderkrippen, Kindergärten und Horte:Hier werden die Kinder in kleineren Gruppen und mit mehr Personal als in den Regeleinrichtungen betreut.

Heil- und sonderpädagogische Tagesstätten:Für Kinder im Vorschulalter oder im Schulalter. Die Betreuung und Förderung jedes einzelnen Kindes ist hier wesentlich intensiver als in einer integrativen Tagesstätte.

In Gruppen von sechs bis acht Kindern werden die Kinder von speziell heilpädagogisch ausgebildeten Fachkräften gefördert. Weiterhin stehen den Kindern zahlreiche therapeutische Fachdienste (z. B. Logopädie, Krankengymnastik, Ergotherapie) zur Verfügung.

Die Aufnahme ist bei Vorliegen entsprechender ärztlicher Gutachten (bis auf einen geringen Beitrag zur häuslichen Ersparnis) kostenlos.

SchulvorbereitendeEinrichtungen:

Der Schwerpunkt liegt auf der Förderung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf etwa ab dem vierten Lebensjahr. Ebenfalls betreut werden hier Kinder, die von der Förderschule zurückgestellt wurden.

Schulvorbereitende Einrichtungen befinden sich bei den Förderschulen für Kinder mit Behinderung.

Offene Behindertenarbeit

Die offene Behindertenarbeit soll dazu beitragen, die Fähigkeiten und Möglichkeiten von Menschen mit Behinderung dahingehend zu stärken, über ihr Leben selbst zu bestimmen und es selbst zu gestalten.

Neben anderen Maßnahmen ist ein wesentliches Ziel, Familien mit von Behinderung betroffenen Angehörigen zu unterstützen und zu entlasten.

Die Angebotspalette umfasst Informationen und Beratung zu allen Fragen des täglichen Lebens und Vermittlung von Hilfen, vor allem

psychosoziale Beratung und Betreuung der Menschen mit Behinderung und deren Familien;

Pflege und Betreuung (nur außerhalb des Zuständigkeitsbereichs der Pflegeversicherung);

Familien entlastende Dienste;

Organisation und Durchführung von Freizeit- und Begegnungsmaßnahmen;

Schulungsmaßnahmen für Menschen mit Behinderung und deren Familien.

(Quelle: ZBFS)
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