Menü statt Müll

Aline, Leoni, Stefan, Wiebke, Lena und Anette (von links) sind das Team des Startup-Unternehmens "Restlos glücklich". In Berlin wollen sie Deutschlands erstes Restaurant gegen Lebensmittelverschwendung eröffnen. Bild: dpa

In Berlin soll im Herbst ein Restaurant eröffnen, das zum Wegwerfen bestimmte Lebensmittel verarbeiten will. Denn jeden Tag wandert Genießbares tonnenweise in den Abfall. Unter anderem, weil Verbraucher die Angaben zur Mindesthaltbarkeit auf Verpackungen viel zu eng sehen.

"Wir wollen mit Lebensmitteln kochen, die es verdient haben, auf dem Teller statt in der Tonne zu landen", sagte die Vorsitzende des Vereins "Restlos glücklich", Leonie Beckmann, am Donnerstag in Berlin bei der Vorstellung des Restaurant-Projekts. Für die gemeinnützige Aktion braucht der Verein noch 50 000 Euro, die er über die Crowdfunding-Plattform Startnext sammeln will. Die Gewinne aus dem Restaurant sollen in soziale Projekte fließen. Auch in anderen Ländern gibt es Restaurants gegen die Verschwendung von Nahrungsmitteln, etwa in Dänemark.

Essen im Überfluss

Fast eine Milliarde Menschen leiden an Hunger und Unterernährung. Zugleich wandern in den Industrieländern Berge von Nahrungsmitteln in den Müll. Hier einige Fragen und Antworten zum Thema:

Wie viele Lebensmittel werden vergeudet?

Weltweit werden nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO ein Drittel der für den menschlichen Verbrauch produzierten Lebensmittel vernichtet - rund 1,3 Milliarden Tonnen pro Jahr. Einer Studie der Umweltstiftung WWF zufolge wandern in deutschen Haushalten jährlich knapp 18 Millionen Tonnen Lebensmittel in den Müll - fast ein Drittel des Nahrungsmittelverbrauchs. Es geht vor allem um Brot und Backwaren, Obst und Gemüse.

Was machen wir falsch?

Experten sehen den Kern des Problems in der Überflussgesellschaft. Da Lebensmittel für die meisten von uns ständig verfügbar sind, haben viele anscheinend wenig Bewusstsein für deren Wert. Die Hauptprobleme: schlechte Planung vor dem Einkauf, Verführung durch Sonderangebote und Fehler bei der Aufbewahrung. Viele Lebensmittel wandern in die Tonne, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist. Doch die meisten Lebensmittel sind oft länger haltbar, sagt Ralf Diekmann vom Tüv Rheinland. "Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist ein Qualitätsversprechen vom Hersteller. Bei korrekter Lagerung verliert das Lebensmittel in dieser Zeit nichts an Qualität."

Anders ist es mit dem Verbrauchsdatum. Besonders auf Packungen von frischem Fleisch oder Fisch steht oft: "Zu verbrauchen bis ...". Diekmann rät: "Da sollte man keine Kompromisse machen." Denn es könnten sich Keime gebildet haben, die nicht zu sehen oder zu schmecken sind.

Andere Lebensmittel haben dagegen das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) auf der Packung. Beispielsweise Nudeln, Reis und Kaffee enthalten nur wenig Wasser und sind oft noch deutlich länger genießbar als angegeben. "Eine Schokolade, die laut MHD in 12 Monaten abläuft, ist in der Regel auch in 13 Monaten noch genießbar", nennt Diekmann ein Beispiel. Selbst Joghurt hält oft länger als angegeben - vorausgesetzt, er wurde direkt nach dem Kauf in den Kühlschrank gestellt. Verbraucher sollten dabei auf ihre Sinne vertrauen. "Wenn es sauer schmeckt oder Schimmel zu sehen ist, sollte man es natürlich nicht essen."

Oft gilt das MHD nur für ungeöffnete Produkte - auch dann heißt es: den eigenen Sinnen vertrauen. Lebensmittel wie Ketchup oder stark Gesüßtes wie Marmelade hält sich dann oft noch lange.

Was sind die Folgen?

Angesichts von Hungersnöten in vielen Teilen der Welt ist die Vergeudung von Lebensmitteln nicht nur ein ethisches Problem. Sie wirkt sich auch unmittelbar auf die Umwelt aus, denn wertvolle Ressourcen werden vergeudet. Fachleute fordern daher, unvermeidbare Abfälle sinnvoll zu verwerten - zum Beispiel als Kompost oder zur Erzeugung von Energie in Biogasanlagen.

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