Merci, Udo
Nachruf

Als José Carreras vor wenigen Tagen im Fernsehen Spenden für Leukämiekranke sammelte, ließ er sich einblenden und sagte: "Ich werde wieder da sein, wenn du mich brauchst." Das war sein letzter Auftritt. Am Sonntag ist Udo Jürgens bei einem Spaziergang in der Nähe von Münsterlingen in der Schweiz einem Herzversagen erlegen. Für Millionen seiner Fans ist diese Nachricht unfassbar.

Der deutschsprachige Raum hat einen seiner besten und beliebtesten Entertainer verloren. Als Udo Jürgens im September den 80. Geburtstag feierte, ließ er in einem Interview sinngemäß anklingen, die Zeit sei noch nicht reif für ein Abschiedslied. Ungebrochen waren seine Vitalität und Schaffenskraft, voller Pläne und eine Tournee vor sich, die neue Zuschauerrekorde versprach. Er wäre dabei nach einigen Jahren auch wieder einmal nach Regensburg gekommen.

Hunderte von Liedern hat er seit seinem Karrierestart in den 1950er Jahren geschrieben. Mit "Merci Cherie" gewann Jürgens 1966 den Eurovision Song Contest. Ab dann kannten ihn Millionen. Was er machte, hatte Tiefgang. Er hielt den Spiegel vor, formulierte sorgsam, wurde kritisch. Wann immer man ihn als Journalist traf, sagte Udo Jürgens seine Meinung. Auch zu Themen, bei denen andere zu sagen pflegten, das sei nicht ihr Geschäft.

Die Liste seiner Hits ist schier endlos lang. Seine Shows dauerten immer über drei Stunden. "Die Leute haben bezahlt, sie bekommen auch etwas dafür", pflegte der Entertainer zu sagen. Zum Schluss kam er im weißen Bademantel auf die Bühne. Dieses Kleidungsstück war gleichsam eine Art Ritterrüstung für ihn, der sich verausgabte, nie etwas mit Playback-Unterstützung vortrug und mit offenem Visier seinem Publikum gegenübertrat.

Udo Jürgens war der Einzige aus dem deutschsprachigen Raum, der sich mit den Größen im internationalen Showgeschäft messen konnte. Er komponierte für Shirley Bassey, trat mit Sammy Davis auf, beherrschte den Sidestep wie Frank Sinatra. Zu ihm passte der Smoking, er machte auch in Jeans eine gute Figur. Eleganz gepaart mit einer gewissen Lässigkeit. So wird er in Erinnerung bleiben. Merci, Udo! Er wird fehlen. Denn diese Lücke kann keiner schließen.

wolfgang.houschka@t-online.de
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