Merkel setzt auf Industrie 4.0
«Ich hoffe, die Maschinen sind brav»

Angela Merkel

Einen ganzen Tag hat sich Angela Merkel für die Digitale Industrie in Deutschland Zeit genommen. Dann bremst Nebel die Bundeskanzlerin aus, sie sagt den Besuch beim Roboterhersteller Kuka in Augsburg ab. Bei Siemens in Amberg wird ihr aber dennoch die Zukunft gezeigt.

Amberg. (dpa/lby) So ganz geheuer ist Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Anblick der vielen Maschinen und Computer wohl nicht. Gemeinsam mit Siemenschef Joe Kaeser geht sie die einzelnen Produktionsstätten in dem Elektronikwerk in Amberg ab und macht sich ein Bild über die Digitalisierung in der Industrie. Sie ist beeindruckt, wozu deutsche Ingenieure in der Lage sind.

Im Oberpfälzer Vorzeigewerk von Siemens wird Technik produziert, mit der Maschinen und Anlagen gesteuert und industrielle Fertigungen automatisiert werden. Merkel entschuldigt sich zum Ende des Besuchs am Montag bei den Mitarbeitern für die Störung und fügt an: «Ich hoffe, die Maschinen sind brav und machen keinen Unsinn.»

Die Kanzlerin ist von der «Digitalen Fabrik» überzeugt. Sie liefere ein hohes Maß an Sicherheit und Maschinen könnten für den Menschen schwere und ermüdende Arbeit ersetzen, betont sie. Befürchtungen, dass auf die menschliche Arbeitskraft in der digitalisierten und vollautomatischen Zukunft gänzlich verzichtet werden kann, sieht sie nicht: «Der Mensch muss aufpassen, dass alles richtig läuft.»

Siemens Konzernchef Joe Kaeser springt ihr sofort zur Seite: «Die Digitale Fabrik ist vom Menschen so geprägt, dass die Maschinen genau das machen, was wir wollen.» Wichtig sei aber in Zukunft, dass es globale Standards für die Digitalisierung geben müsse. Und diese müssten von der deutschen Industrie angetrieben werden, weil sie führend in der Welt sei.

Ziel der «Digitalen Fabrik» ist die bestmögliche Unterstützung für den Menschen durch automatisierte Vorgänge - Zeit und Kosten zu sparen und die Qualität zu erhöhen. «Dabei steht der Mensch mit seiner Kompetenz und seinen Ideen noch immer an der Spitze. Er ermöglicht erst die digitale Welt», erläutert der Amberger Werksleiter Karl-Heinz Büttner. Unbescheiden fügt er hinzu: «Wir machen selbst fast keine Fehler mehr.» Die Qualität der werkseigenen Prozesse liege derzeit bei 99,99885 Prozent. Zudem sei das Produktionsvolumen innerhalb von 25 Jahren bei gleichbleibender Fläche und Mitarbeiterzahl verachtfacht worden.

Eigentlich wollte die Kanzlerin am Morgen zunächst den Roboterhersteller Kuka in Augsburg besuchen. Dort gab es aber enttäuschte Gesichter: Eine Stunde vor dem geplanten Besuch kam die Absage, wegen des schlechten Wetters konnte die Bundeskanzlerin nicht nach Schwaben fliegen. Dabei hatte Kuka bereits in zwei Produktionshallen alles vorbereitet und sogar Tribünen aufgebaut. Mitarbeiter standen bereit, um der Regierungschefin den ganzen Stolz des Unternehmens, einen dem menschlichen Arm nachempfundenen Leichtbauroboter, vorzuführen.

Dieser sei «natürlich» einzigartig und konkurrenzlos auf dem Weltmarkt, betont Montageleiter Sören Papsdorf. Dieser High-Tech-Roboter sei feinfühlig und könne filigrane Arbeiten machen, für die Industrieroboter sonst nicht geeignet seien. Beispielsweise Zahnräder zusammenbauen oder im Operationssaal ein Endoskop führen.

Das Unternehmen nahm letztlich den kurzfristig geplatzten Merkel-Besuch gelassen. «Wir nehmen das heute als Generalprobe und haben schon einmal viel geübt», scherzt eine Unternehmenssprecherin. Und Merkel selbst betont noch in Amberg, dass der Besuch bei Kuka auf jeden Fall nachgeholt wird.