Merkel und Obama: Putin bleibt draußen

Der US-Präsident bei Weizen, Brezn und Weißwurst: In Krün unterhält sich Barack Obama am Rande des G7-Gipfels mit Einheimischen in Tracht. Bild: dpa

Kanzlerin und US-Präsident scherzen im idyllischen Krün miteinander. Die Geheimdienstaffäre sollte den Gipfel in Oberbayern nicht belasten. Später ging es dann zur Sache - mit klaren Worten an die Adresse von Wladimir Putin.

Russland bleibt wegen der Ukraine-Politik von Kremlchef Wladimir Putin aus dem Kreis der sieben großen Industrienationen (G7) ausgeschlossen. Mit der Annexion der Krim habe sich Moskau gegen deren gemeinsame Werte gestellt, sagte Kanzlerin Angela Merkel am Sonntagabend nach ersten Diskussionen der Staats- und Regierungschefs im bayerischen Elmau.

"Da gibt es eine Barriere im Augenblick, wo ich nicht sehe, dass die überwunden werden kann", sagte die Kanzlerin. Es sei aber auch klar, dass Russland Partner in der Debatte über das iranische Atomprogramm oder bei einer Lösung des Bürgerkriegs in Syrien sein müsse. Merkel sagte zur Position der G7 gegenüber Putin: "Ich gehe davon aus, dass wir ein geschlossenes Signal hier abgeben." Sanktionen könnten "entfallen, wenn die Voraussetzungen, unter denen sie mal eingeführt wurden, nicht mehr da sind und die Probleme gelöst sind". Wenn das Minsker Abkommen umgesetzt werde, würden auch die Sanktionen aufgehoben.

In Elmau sei auch über Griechenland gesprochen worden, sagte Merkel. Sie und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hätten über den Stand der Verhandlungen mit Athen berichtet. Man arbeite mit Hochdruck an einer Lösung. "Aber wir haben auch alle deutlich gemacht, dass in Europa immer zusammengehört Solidarität auf der einen Seite und auch Eigenanstrengung auf der anderen Seite. Und da sind wir noch nicht am Ziel", sagte sie.

Vor Beginn des Gipfels hatten Merkel und US-Präsident Barack Obama trotz Verstimmung über die NSA/BND-Affäre einen engen Schulterschluss demonstriert. "Trotz mancher Meinungsverschiedenheiten, die wir heute haben, ist Amerika, sind die Vereinigten Staaten von Amerika unser Freund, unser Partner", erklärte Merkel bei der Begrüßung Obamas in Krün am Fuß der Alpen. Obama sagte: "Heute morgen feiern wir eines der stärksten Bündnisse, das die Welt je gekannt hat."

In einer launigen Rede scherzte der US-Präsident, er habe leider seine Lederhose vergessen. Im Anschluss setzten Merkel und Obama sich bei strahlendem Sonnenschein zu einer bayerischen Brotzeit zusammen. Sie verspeisten Weißwürste und tranken alkoholfreies Weizen. Der Kanzlerin war offensichtlich daran gelegen, dass die seit Monaten andauernde NSA/BND-Affäre den Gipfel nicht überschattet. Merkel betonte, die USA seien "ein so wesentlicher Partner, dass wir eng kooperieren, weil wir es im gegenseitigen Interesse brauchen, weil wir es wollen und weil wir gemeinsame Werte teilen".
Weitere Beiträge zu den Themen: Weltgeschehen (20753)Juni 2015 (7771)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.