Merkel verteidigt den Gipfel: Wir müssen reden

Große Ballons mit Abbildungen der Gesichter der G7-Staats- und Regierungschefs, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (links) stiegen am Freitag vor der Feldherrnhalle in München auf. Die Organisation ONE fordert mit der Aktion konkrete Zusagen der G7-Staaten im Kampf gegen die Armut in der Welt. Bild: dpa

Mehr als 20 000 Polizisten schützen den G7-Gipfel. Die Kanzlerin hält das Treffen trotz größter Sicherheitsvorkehrungen für notwendig. Einen Tag nach der großen Demonstration in München beginnen auch in Garmisch-Partenkirchen die Aktionen der G7-Gegner.

Kanzlerin Angela Merkel hat friedliche Demonstrationen gegen den G7-Gipfel als lebendige Demokratie gewürdigt und zugleich das Treffen gegen Kritik verteidigt. "Wir haben in der Geschichte Europas gesehen, wohin es geführt hat, wenn nicht gesprochen wurde", sagte sie in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.

Das Treffen von sieben Staats- und Regierungschefs wird wegen Millionen-Kosten, massiven Sicherheitsvorkehrungen und angeblich vagen Beschlüssen in Frage gestellt. "Die Regierungschefs der G7 müssen in einer Welt voller Konflikte die Möglichkeit haben, auf einem solchen Gipfel miteinander zu beraten", argumentierte Merkel.

Die G7 - USA, Kanada, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien - stehen für ein Drittel der Weltwirtschaftsleistung, aber nur elf Prozent der Weltbevölkerung. In Elmau geht es unter anderem um die Weltwirtschaft, das Klima, Frauenrechte und den Kampf gegen Armut. Außerdem werden die Krisen in Syrien und der Ukraine ebenso auf der Agenda sein wie die erheblichen Finanzprobleme Griechenlands und der Kampf gegen den islamistischen Terrorismus.

Merkel warnte vor zu hohen Erwartungen an den Gipfel: "Man kann von einem Sonntag und einem Montag in Elmau nicht die Lösung aller Konflikte erwarten." Zur Ukraine-Krise kündigte sie lediglich eine Bestandsaufnahme der Umsetzung des Minsker Friedensabkommens vom Februar an. Die Rückkehr Russlands in die Gruppe acht wichtiger Industrienationen hält Merkel derzeit für unrealistisch. Russland war 2014 nach der Annexion der Krim aus der G8 ausgeschlossen worden.

Die Polizei hat ihre Präsenz in der Nähe des Gipfelhotels verstärkt. An der ersten größeren Protestaktion in Garmisch-Partenkirchen nahmen am Freitag nach Polizeiangaben etwa 450 Demonstranten teil. Im Protestcamp versammelten sich immer mehr Gipfelgegner. Das Zeltlager ist für rund 1000 Camper ausgelegt. Die Organisatoren rechneten damit, dass der Platz nicht reichen wird. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter kritisierte die hohe Polizeipräsenz. "Das ist schon eine ziemlich martialische Kulisse, sicherlich auch eine Drohgebärde."
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