Merkel zu Gast im Armenhaus der Republik

Zum Greifen nah: In Duisburg wurde Bundeskanzlerin Angela Merkel überwiegend freundlich empfangen und zum beliebten Ziel der Hobby-Fotografen. Beim Bürgerdialog im Stadtteil Marxloh - einem der ärmsten in ganz Deutschland - ging es allerdings zur Sache. Bild: dpa

Verdreckte Straßen und kriminelle Banden - das öffentliche Bild von Duisburg-Marxloh ist schlecht. In dem Stadtteil ballen sich Zuwanderer aus Bulgarien und Rumänien. Mit ihrem Besuch vor Ort will die Bundeskanzlerin vor allem eines sagen: Ihr seid nicht abgeschrieben.

(epd/dpa) Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Menschen im Duisburger Stadtteil Marxloh Hilfen zugesagt. Bei einem sogenannten Bürgerdialog räumte die Kanzlerin am Dienstag ein, dass der Bund zwar nicht alle Probleme etwa bei der Gesundheitsversorgung von Zuwanderern aus Südosteuropa lösen könne. Merkel versprach den gut 50 eingeladenen Bürgern aber mehr politische Unterstützung bei Sozial- und Bildungsprojekten.

Merkel erklärte, der verstärkte Zuzug von Menschen aus Bulgarien und Rumänien sei eine "Belastungsprobe" für arme Viertel wie Marxloh. Der Bund könne die Zuwanderer, die vielfach mittellos und nicht krankenversichert sind, zum Beispiel nicht alle versichern. In Rumänien und Bulgarien gebe es "keinen Bürgerkrieg", deshalb könne man nicht die Botschaft ausgeben: "Jeder darf kommen", sagte die Kanzlerin. Marxloh zählt zu den bundesweit ärmsten Stadtteilen und hat eine überdurchschnittlich hohe Kriminalitätsrate. In dem Viertel mit 19 000 Einwohnern liegt die Arbeitslosigkeit bei 16 Prozent. 64 Prozent der Menschen haben ausländische Wurzeln.

Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (SPD) hatte davor gewarnt, Marxloh weiterhin als Sperrgebiet zu stigmatisieren. "In Duisburg gibt es keine No-Go-Area und wir werden auch nicht zulassen, dass eine entsteht", sagte er. Die eingeladenen Bürger berichteten der Kanzlerin von Problemen aus ihrem Alltag. Ein Mann beschrieb verdreckte Straßen und warnte vor "Gewalt und Hass". Auch Angriffe auf Rettungskräfte und Polizisten durch kriminelle Banden und Einbruchskriminalität kamen zur Sprache. Eine junge Frau beklagte, die Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien würden ausgebeutet und diskriminiert.

Merkel forderte, mehr Sozialarbeiter in die Schulen zu schicken. Zudem müsse die Schulpflicht für Flüchtlingskinder strikt eingehalten werden. Sie will auch Druck auf die Vermieter dramatisch überbelegter und vermüllter Schrotthäuser machen. "Menschen werden praktisch wie Ware behandelt und ausgebeutet", sagte sie.
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