Messe unterm Sternenhimmel

Die Außen- und Innenrenovierung der ehemaligen Pfarrkirche von Roßhaupt ist abgeschlossen. Die früheren Bewohner feiern dort deshalb erstmals ihren Festgottesdienst zum Heimattreffen. Bild: fjo

Eine neue Ära bricht für die Heimattreffen der Ehemaligen in Roßhaupt an. Erstmals wird der Festgottesdienst "in unserer Kirche stattfinden", freut sich das Ortsbetreuer-Ehepaar Helga und Heribert Kett aus Vohenstrauß.

Schon seit längerer Zeit halten beide ihre heimatvertriebenen Landsleute über die veränderte Situation der einstigen Pfarrkirche auf dem Laufenden: "Wir lassen uns überraschen, wie es sich im innen und außen renovierten Kultursaal von Rozvadov - also im historischen Kirchenraum - feiern lässt." Das Programm steht fest. Die Ketts beabsichtigen, einige kirchliche Gegenstände aus der einstigen Inneneinrichtung für den Festtag auszuleihen und auszustellen.

Schäden behoben

Auch die Waidhauser Bürgermeisterin Margit Kirzinger hegt Erinnerungen an die wiedergewonnene Stätte: "Meine Mama wurde hier getauft." Die ehemalige Pfarrkirche St. Wenzel ist außen vollkommen renoviert und hat ein sauberes Umfeld erhalten. Zuletzt waren neue Fenster und Türen eingesetzt worden. Im Gewölbe des Chors sind der Sternenhimmel und der große Schriftzug "IHS" wieder gut erkennbar. Die Schäden in der Decke des Saalbaus sind behoben. Alles Marode war ausgesägt und entfernt sowie der Boden gesäubert worden.

1825 eingeweiht

Roßhaupt gehörte ursprünglich zur Pfarrei des Nachbarorts Neuhäusl und hat seine Kirche erst Anfang des 19. Jahrhunderts bekommen. 1816 ist der Bau der Wenzelskirche fast vollendet und ein Jahr später noch mit einem Türmchen geziert worden, das aus dem Dach über die Frontseite herausragte. Weitere Arbeiten hat die Finanznot aufgehalten, so dass die Kirche erst 1825 fertig und eingeweiht wurde. Die Baukosten betrigen ohne Tagelöhnerarbeiten 5786 Gulden.

Bei der Abschaffung der Roßhaupter Pfarrei 1945 wurde das Türmchen abgetragen und das Gebäude danach als Kino genutzt. Deswegen waren die Fenster alle zugemauert. Außerdem war es Lagerraum des einstigen landwirtschaftlichen Staatsguts. "Es ist wirklich ein Wunder, dass der Kirchenbau wiederhergestellt ist", sagt Heribert Kett. "Alle hatten zusammengeholfen. Wir ehemaligen Roßhaupter, die grenznahe deutsche Pfarr- und säkulare Gemeinde Waidhaus, Graf Kolowrat und die tschechische Gemeinde Rozvadov, die den größten Teil zu schultern hatte." Gelder aus EU-Töpfen ermöglichten schließlich die Realisierung.

"Was wird nun aus dem Kirchenbau?" fragt sich Kett. Die Gemeinde möchte, dass der Raum vielfältig genutzt wird, beispielsweise für Veranstaltungen der Gemeinde, Konzerte und Liederabende. Der zuständige Vikar, Monsignore Vladimir Born, meint, dass dort, wo einmal eine Kirche war, wieder eine sein solle. Das frühere Altarbild des heiligen Wenzel, gemalt von Karel Skreta aus Prag, steht in der Katharinenkirche in St. Katharina und kann restauriert werden, sagt Kett: "Wir signalisierten unsere Mithilfe."

Das Heimattreffen startet am Samstag, 5. September, um 14 Uhr im Schützenhaus in Frankenreuth. Danach ist ein Friedhofsbesuch in Roßhaupt. Am Abend umrahmt Volksmusik die Wiedersehensfeier. Der Gottesdienst in der alten Heimat beginnt am Sonntag, 6. September, um 10.30 Uhr. Chor und Bläsergruppe begleiten die Messe unter Leitung von Heribert Kett. Mittagessen gibt's in Frankenreuth. Eine ökumenische Taizéandacht folgt am Donnerstag, 10. September, um 19 Uhr, veranstaltet vom Arbeitskreis Autobahnkirche.
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