Mief aus der Gerüchteküche
Angemerkt

Man muss einen kühlen Kopf bewahren, wenn zwei Männer auf der Flucht sind, von denen keiner so genau weiß, was sie verbrochen haben. Im Internet, vor allem im sozialen Netzwerk Facebook, war der virtuelle Lynchmob schnell versammelt. Rasch waren Forderungen auf dem Tisch, was mit "solchen Typen" wie den flüchtigen Insassen der Regensburger Psychiatrie zu passieren hat. Selbstjustiz alsFeierabendfantasie.

Solche Ausflüge gehören zum Konzept, psychisch kranke Straftäter nach Jahren hinter Gittern wieder an ein normales Leben zu gewöhnen. Das muss man akzeptieren. Ebenso wie die Tatsache, dass es eine hundertprozentige Sicherheit nun mal nicht gibt.

Die Frage, ob es wirklich von Anfang an wichtig gewesen wäre, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, dass die beiden Gesuchten Sexualstraftäter sind, lässt sich nicht so einfach beantworten. Sicher ist nur, dass die Informationspolitik von Polizei und Staatsanwaltschaft in diesem Fall unglücklich wirkt. Besser wäre es in jedem Fall gewesen, die Gerüchteküche zügig aufzuräumen, bevor sie ihren Gestank verbreiten kann.

frank.stuedemann@derneuetag.de

Aus der Region Amokläufer vor Gericht

Amberg/Schwandorf. (hou) Die Attacke begann ansatzlos: Erst schlug ein 29-Jähriger aus Schwandorf seine Frau, dann würgte er sie und griff seine Partnerin mit einem Küchenmesser an. Dabei wurde die 27-Jährige leicht am Bein verletzt. Als die Wehrlose zusammen mit dem gemeinsamen zwei Monate alten Baby ins Badezimmer der ehelichen Wohnung geflüchtet war und sich eingeschlossen hatte, kam die Polizei.

Was dann geschah, war nach den Schilderungen zweier Uniformierter "hoch dramatisch." Während ein junger Streifenpolizist (22) die Frau und ihren Säugling in Sicherheit brachte, wurde sein Kollege sofort zum Ziel einer Messerattacke. Der Hauptkommissar (51), ein in ganz Schwandorf durch seine Tätigkeit als Stadtrat und früherer Bürgermeister bekannter Mann, trat vor dem Haus den Rückzug an und lief, wie er nun vor der Ersten Strafkammer des Amberger Landgerichts sagte, um sein Leben. Denn der Amokläufer verfolgte ihn.

Erst als der Beamte einige Meter Abstand gewonnen hatte, zog er seine Dienstwaffe und feuerte einen Warnschuss ab. Daraufhin flüchtete der Täter. Er war nur mit Boxershorts bekleidet und stellte sich am anderen Tag den Behörden. Für ihn geht es nun um eine dauerhafte Einweisung in die Psychiatrie. Denn schon zuvor hatte er in Schwandorf für Zwischenfälle gesorgt, die an seinem Geisteszustand zweifeln ließen.
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