Ministerpräsident hält die Nachfolgedebatte in Kreuth selbst am Köcheln
Seehofers Seitenhiebe

Zufriedenheit. Wie ein sanfter Wattebausch und passend zum heutigen "Welttag des Kuschelns" umhüllt dieses Wort die Winterklausur der CSU-Fraktion in Wildbad Kreuth. Die Zufriedenheit der CSU in diesen Tagen ist aber nicht nur ein Gefühl, sie hat es sich auch amtlich bestätigen lassen. Fraktionschef Thomas Kreuzer hat dazu bei der Forschungsgruppe Wahlen eine Umfrage in Auftrag gegeben.

Herausgekommen ist, dass sich die Bayern zu 90 Prozent eng mit ihrem Heimatland verbunden fühlen, mit der Arbeit von Regierung und Verwaltung weit überwiegend zufrieden sind und sich noch mehr bayerische Entscheidungskompetenzen wünschen. Ein Viertel der Bayern kann nicht einmal ein Problem nennen, das im Freistaat dringend einer Lösung harrt.

Zehn Minuten ohne

Nicht sonderlich interessiert scheinen die Bayern an der Frage zu sein, wer Seehofer einmal in seinen Ämtern als Regierungs- und CSU-Chef nachfolgen wird. Das gehe "vollkommen an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbei", ist Seehofers Standardsatz zur Frage, ob es denn nun Markus Söder oder Ilse Aigner werden soll. Allerdings fängt Seehofer gerne selbst mit dem Thema an. Zehn Minuten steht er in Kreuth schon mit den Medienleuten zusammen, ohne dass aus deren Kreis heraus die N-Frage gestellt worden wäre. Da fragt er auf einmal den neben ihm stehenden Kreuzer, warum der die Angelegenheit nicht auf die Klausurtagesordnung gesetzt habe. "Wie gibt's sowas", raunzt er Kreuzer in gespielter Schärfe an.

Kreuzer erklärt das dann so: "Die Debatte bringt nix bei einem so erfolgreichen Ministerpräsidenten." Trotzdem macht Seehofers kleine Bemerkung so neugierig, dass er die folgenden Fragen schnell wieder einfangen muss. "Da gibt es nichts zu sagen, was nicht schon gesagt worden wäre", bremst er den journalistischen Forscherdrang ein. Und: "Wir führen im Jahr 2015 keine Debatte mehr übers Personal."

Regelmäßige Kreuth-Pilger können sich an solche oder ähnliche Formulierungen aus den vergangenen Jahren erinnern, genutzt hat das bislang noch nie etwas. Vor allem weil Seehofer die Sache selbst regelmäßig durch beiläufig fallen gelassene Halb- und Nebensätze am Köcheln hält.

Strenges Schweigegebot

Die CSU-Abgeordneten in Kreuth halten sich in der zuletzt durch die BR-Umfrage wieder angeheizte N-Frage - nach der liegt Söder bei den Bayern als Lieblingsnachfolger Seehofers derzeit deutlich vor Aigner - streng an das von oben verordnete Schweigegebot. Auch Söder und Aigner selbst halten sich zurück. Zwar kündigt Söder bedeutungsschwanger wichtige Entscheidungen "in den Iden des März" an, in denen sich anno 44 vor Christus ein welterschütternder Königsmord ereignete, nämlich der am römischen Kaiser Julius Caesar. Doch meint er damit nur seinen bevorstehenden Beschluss über die angekündigten Behördenverlagerungen. Mehr sagt er dazu nicht. Nur, dass da auch der Nordosten Bayerns sehr zufrieden sein werde. Was denn auch sonst.
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