Ministerpräsident Horst Seehofer als "Stargast"
Burg Falkenberg wiedereröffnet

Bild: Grüner
Falkenberg. Noch steht Horst Seehofers schwarzer Audi auf einem Parkplatz kurz vor Falkenberg. Man sagt, der Ministerpräsident telefoniert. Im Burghof wartet die lokale Prominenz auf die Einlösung eines Versprechens.

Als die Limousine durch das Burgtor rollt, formiert sich ein Spalier. Der Gemeinderat, Fotografen und Kameraleute positionieren sich. Es dauert einige Zeit, bis sich der Riese im verknitterten schwarzen Anzug aus dem Wagen quält. Rundlauf mit Händeschütteln, Small-Talk. „Heißt jetzt die Burg Falkenberg oder Falkenstein?“, ist Seehofer um Genauigkeit bemüht. „Im Bayerischen Rundfunk haben sie Falkenstein gesagt.“

Bilder von Norbert Grüner



Beim Spaziergang durch die sanierte Staufer-Burg muss der 1,93-Meter-Mann den Kopf einziehen. Zu jeder Situation hat er ein Bonmot parat: „Ich musste etwas gebückt gehen, aber schon die Römer hatten so niedrige Türen, dass der Gast sich automatisch verbeugen musste – ich musste mich oft vor Ihnen verbeugen, Herr Bürgermeister.“ Der neue Burgherr, Herbert Bauer, die Architektenbrüder Peter und Christian Brückner und der Passauer Winfried Helm, der das Ausstellungskonzept entwarf, führten den Ingolstädter durch die sanierte Anlage.

„Dass ihr hier alle so Widerständler seid“, frotzelt Seehofer bei den Schautafeln zu Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg. Der ehemalige Burgherr wurde als „Mitverschwörer“ beim Attentat vom 20. Juli 1944 verurteilt und in Berlin Plötzensee von den Nationalsozialisten hingerichtet. „Haben sie schon mal die Haken dort gesehen“, wird er später im Bierzelt sagen. „Da rieselt es einem kalt über den Rücken.“ Dass die Falkenberger dem neben Stauffenberg verblassten Hitler-Gegner „70 Jahre später ein würdiges Denkmal“ errichteten, war ein Grund, warum sich der Ministerpräsident dafür einsetzte, das Projekt als von nationaler Bedeutung einzustufen.

Bei der Besichtigung der typischen Brückner-Gästezimmer – reduziert auf Stein, Kalk, Holz in all seinen Facetten und Licht als Gestaltungselement – beschließt der Landesherr spontan, „dass ich hier auch mal übernachten möchte“.

Er habe da schon Erfahrung in Waldsassen mit der Frau Äbtissin, schmunzelt er. Der habe er im Spaß gesagt, er komme, wenn er gute Konditionen bekäme. Daraufhin habe ein Boulevard-Blatt nachgefragt, wer das Ganze bezahlt habe: „Dann nahm das Verhängnis seinen Lauf“, sagt er glucksend. „Die Äbtissin hat, glaube ich, noch das Licht mitgestoppt und berechnet, um nur ja nicht den Hauch eines Verdachtes aufkommen zu lassen.“

Seehofer genießt den Ausflug vor der Abreise nach Berlin – zur Kanzlerin. „Das hier ist Entspannung für mich“, sagt er glaubwürdig und scherzt mit den Kindergarten- und Schulkindern, die ihm ein Liedchen trällern und artige Verse aufsagen.

„Zum Schluss ein Danke an den Chor“, schielt der Landesherr suchend in das bis auf den letzten Platz gefüllte Zelt: „Einer war besonders frech“, sagt er augenzwinkernd, „alle anderen haben auf die Frage, ob sie mit ihren Damen zufrieden sind, ,ja’ gerufen, nur einer immer laut ,naaa’ – solche Mitarbeiter bräuchte ich in der Staatskanzlei.“
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