"Misereor" und "Brot für die Welt": Europa mitverantwortlich für Flüchtlingskrise
Armut nicht nur hausgemacht

Angesichts der weltweiten Flüchtlingskrise fordern kirchliche Hilfsorganisationen größere Anstrengungen, um die Ursachen von Armut und Flucht zu bekämpfen. "Das Thema gehört auf der Agenda der Weltpolitik nach ganz oben", sagte der Hauptgeschäftsführer des katholischen Entwicklungshilfswerks "Misereor", Pirmin Spiegel, am Mittwoch in Bonn. Nicht nur Krieg und Terror trieben Menschen in die Flucht, sondern auch Armut. Diese werde mitverursacht von "unfairen Handelsabkommen" und internationalen Konzernen, die Ressourcen plünderten.

Das Hilfswerk "Brot für die Welt" kritisierte in dem Zusammenhang deutsche Waffenexporte. Waffen würden überwiegend in Krisengebiete geliefert, aus denen die meisten Flüchtlinge stammten, sagte die Präsidentin der evangelischen Organisation, Cornelia Füllkrug-Weitzel, in Berlin. Spiegel wies darauf hin, dass sich von weltweit 60 Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen weniger als vier Prozent in EU-Ländern befinden: "Die häufig anzutreffende Vorstellung, dass ein Großteil der Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa sei, geht an der Wirklichkeit vorbei." Rund drei Viertel aller Flüchtlinge schafften es nicht einmal über die eigene Landesgrenze.

Nur eine Woche nach dem letzten folgenschweren Flüchtlingsdrama sind erneut Dutzende Menschen im Mittelmeer ertrunken. Etwa 60 Migranten wurden am Mittwoch vermisst, nachdem ihr Schiff vor der libyschen Küste gekentert war.
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