Mit Großzügigkeit anstecken

Standarten zu Ehren des Hl. Leonhard der früheren Gemeinden Beidl, Schönficht und Lengenfeld. Diese wurden beim früheren Leonhardiritt von Reitern mit bei der Prozession geführt. Bild: hfz

Drei Jahrhunderte ist es her, dass die Pilmersreuther ein Gelübde abgegeben haben, immer am Fest zu Ehren des Heiligen Leonhard zu Fuß zum Gottesdienst nach Beidl zu kommen. Bis heute wird dieses Versprechen eingehalten.

In der festlich geschmückten Kirche begrüßte Pater Joy am Samstag Kaplan Maximilian Roeb aus Tirschenreuth als Festprediger. Ebenfalls mit am Altar waren Kaplan Thomas Kraus aus Beidl, der 2013 zum Priester geweiht wurde und heute Kaplan in der Pfarrei Maria Himmelfahrt in Deggendorf ist, sowie Diakon Egon Giehl aus Beidl.

Gelebtes Glaubenszeugnis

Der besonderer Gruß galt aber den Wallfahrern aus Pilmersreuth, die wieder zu Fuß nach Beidl pilgerten. Pater Joy dankte ihnen dafür, dass sie auch heute noch das Gelübde halten. Damit würden sie auch ein gelebtes Glaubenszeugnis ablegen. Am Hochaltar stand die Reliquienmonstranz des Hl. Leonhard. Damit wurden beim früheren Leonhardiritt die Gläuigen, Reiter und Pferde gesegnet. Der Kirchenchor unter Leitung von Christa Schwägerl und Josef Zahn gestalteten den Festgottesdienst. Begonnen wurde der Gottesdienst mit dem Lied zu Ehren des Heiligen Leonhard. Darin heißt es treffend: "Halte segnend über uns die Hand, beschütz' die Tiere und das Land, das Gnade sich auf uns ergießt und Segen auf die Fluren sprießt." Vor und nach dem Festgottesdienst gingen viele Gläubige aus Beidl und Pilmersreuth in die Leonhardkapelle zum persönlichen Gebet und zur Verehrung des Heiligen Leonhard.

In seiner Festpredigt erklärte Kaplan Roeb, warum der Heilige Leonhard meistens mit einer Kette dargestellt wird. Der Heilige Leonhard mit der Kette deute auf das Urpatronat des Heiligen hin, nämlich auf den Schutz der Gefangenen. Daraus und aus seiner Lebensbeschreibung entwickelten sich alle anderen Patronate: Patron der Gebärenden, Patron der Geisteskranken, Patron all derer, die in mancherlei Bande verstrickt und die unfrei sein.

"In unserem Land haben wir Rahmenbedingungen dafür frei zu sein, uns frei zu bewegen, unsere Gedanken frei äußern, uns frei entscheiden zu können", betonte der Prediger. Aber "frei sein" bedeute mehr. Es liege in der Natur, uns an vieles zu binden und uns von vielem abhängig zu machen. "Es braucht keine Gitterstäbe, um gefangen zu sein von eigenen und fremden Erwartungen, von Sorgen, von Perfektion und von Angst. Uns so liegen auch wir oft wie gefesselt in Ketten", so der Prediger weiter. Der Heilige Leonhard könne bis heute ein Beispiel dafür sein, dass der Glaube an Gott die Kraft hat, so manche Ketten in unserem Leben, die uns gefangen halten, zu sprengen. Der Prediger stellte weiter die Frage, wie die frohe und befreiende Botschaft eines Hl. Leonhard heute richtig zur Sprache kommen kann. Wie soll man das gelebte Zeugnis des Heiligen in unsere Zeit heute übersetzen? Indem wir einladend und einnehmend auf andere wirken und nicht als Kirche in Ketten gesehen werden! "Auch wenn es Leiden an der Kirche gibt, muss doch die Freude vorherrschen."

Weniger Missmut zeigen

Kaplan Roeb rief am Ende seiner Festpredigt dazu aus, weniger Skepsis, Missmut und Kleinglauben zu zeigen. "Das Wunder, das die Welt von uns erwartet heißt: Freude bringen, Zuversicht ausstrahlen, Gemeinschaft stiften und andere mit Uneigennützigkeit und Großzügigkeit anstecken. Wenn wir uns auf diesem Weg miteinander machen, dann hat der Glaube tatsächlich eine Sprengkraft, die so manche Kette zerreißen kann", so der Prediger.
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